Ab und zu mal Lyrik I

Fühlin g S-HSag mir, wer einst die Uhren erfund,
Die Zeitabteilung, Minute und Stund?
Das war ein frierend trauriger Mann.
Er saß in der Winternacht und sann.
Und zählte der Mäuschen heimliches Quicken
Und des Holzwurms ebenmäßiges Picken.

Sag mir, wer einst das Küssen erfund?
Das war ein glühend glücklicher Mund;
Er küßte und dachte nichts dabei.
Es war im schönen Monat Mai,
Die Blumen sind aus der Erde gesprungen,
Die Sonne lachte, die Vögel sungen.

Heinrich Heine, 1797-1856

aus: „Neue Gedichte. Neuer Frühling“

 

An dieser Stelle möchten wir Sie ab und zu mal wieder auf die Schönheit von Lyrik aufmerksam und neugierig  auf weitere Gedichte machen. Die Idee hierzu entstand anlässlich einer Reise in die schöne Stadt Stuttgart, in der dem geneigten Reisenden literarische Impressionen während der Fahrt in den Straßenbahnen mit auf den Weg gegeben werden. Vielleicht lassen Sie sich inspirieren oder haben selbst  Vorschläge für uns und andere zur Freude?