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Ein Kindersachbuch über die Angst

Rezková, Milada
Wer hat Angst vor der Angst?
Das große Buch über die Angst, nicht nur für kleine Angsthasen
Basel: Helvetiq, 2021

Cover aus Koha

Standort: SK = Sachbuch Kinder
Signatur:PSY 140,1 R

Dieses Kinderbuch aus dem Tschechischen überzeugt nicht nur aufgrund des Themas, sondern auch durch die Aufmachung. Am Anfang stellt sich die Angst, dargestellt durch den großen schwarzen Punkt, vor und erklärt, vorher das Wort Angst kommt, nämlich aus dem Lateinischen! Der kleine Max begegnet der Angst im Wald und findet heraus, woher sie kommt und warum Eltern Kindern hin und wieder etwas verbieten.

In sehr großer Schrift und vielen bunten Bildern werden auf sehr kindgerechte, verständliche Weise die Herkunft und das Wesen der Angst beschrieben. Die Bilder sind teilweise urkomisch und verführen, zumindest uns Erwachsene, zum Lachen. Es wird erklärt, dass die Angst eine Emotion ist und ihren Ursprung im Gehirn hat. Ihre Freunde sind Freude, Trauer und Zorn.

Es gibt angeborene und erlernte Angst. Und wenn Mama und Papa schimpfen und etwas verbieten, dann nicht, weil wir ihnen auf die Nerven gehen, sondern, weil sie Angst um uns haben. Sie wollen uns beschützen. Wenn wir Angst haben, geschehen seltsame Dinge in unserem Körper, wir zittern, bekommen vielleicht Gänsehaut, das Herz schlägt ganz schnell und vieles mehr. Angst haben nicht nur Kinder, auch die anderen Generationen kennen das Gefühl. Sogar Tiere haben Angst, sei es vor Feinden oder zum Beispiel,dass sie genug zu fressen für sich und ihren Nachwuchs finden.

Angst gibt es in vielen Formen: als Sorgen, als Beklemmung, als Grausen, als Erschrecken, als Panik, als Phobie.

Es macht großen Spaß sich mit diesem Buch zu beschäftigen und auf so amüsante Weise so viel über das Thema Angst zu erfahren.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Der Sommer geht zu Ende – Zeit für Gemütlichkeit!

Foto Fr
Der  Sommer zeigt sich heute noch mal von seiner schönen Seite, aber der Herbst kommt bestimmt. Und was gibt es dann Schöneres, als es sich zu Hause mit ein paar neuen Gesellschaftsspielen gemütlich zu machen?

Wir haben alte, viel genutzte Brettspiele aussortiert, um Platz für Neues zu schaffen. Hier seht Ihr eine Auswahl! Das Kinderspiel des Jahres 2021 „Dragomino“ und das Spiel des Jahres 2021 „Micromacro: Crime City“ sind bestellt und demnächst ebenfalls in unserem Bestand. Für das Spiel des Jahres braucht Ihr auf jeden Fall eine Menge Platz für den Spielplan, am besten vielleicht den Fußboden und Ihr braucht eine Menge Geduld und sehr gute Augen. Denn es ist ein wimmeliger Spielplan mit sehr kleinen Details, die zu finden sind.

Für unsere Jüngsten haben wir viele Spiele neu im Angebot:

Das „Angelspiel“ für Kinder von 2-5 Jahren mit Klett Angel und Filzfischen, das Spiel „Tier auf Tier“ von Haba für Kinder von 2 Jahren aufwärts, in dem es darum geht mit Geschick verschiedene Holztiere aufeinander zu stapeln. Bei „Die Bewegungs-Bären“, einem Spiel von 3-6 Jahren, müssen die Bären-Kinder verschiedene Begriffe durch Bewegung darstellen und der Bären-Häüptling soll erraten, was die anderen ihm vorspielen. „Funkelschatz“ aus dem Haba-Verlag ist für kleine und große Drachenkinder von 5-99 Jahren gemacht. Man muss versuchen viele bunte Funkelsteine zu ergattern. Das Spiel „Tempo, kleine Schnecke“ , für Kinder von 3-7 Jahren, haben wir nur ausgetauscht. Die „Regenbogenbande“ aus dem Verlag Haba ist für 2-4 Menschen ab 4 Jahren geeignet. Man benutzt einen Regenbogen, um von einem Wolkenloch zum nächsten zu gelangen und sammelt dabei Kristalle. „Auf, auf, kleiner Pinguin“ von Haba ist für Kinder ab 2 Jahren geeignet. Bei „Stapelfuchs“, ab 2 Jahren muss man versuchen den kleinen Fuchs und seine Freunde auf einer wackeligen Wiese zu stapeln. Und für Kinder ab 3 Jahren ist das Spiel „Autorelli“ geeignet, in dem das Erkennen von ersten Farben und Formen, von Zuhören und Konzentration gefördert wird. Bereits altbekannt ist der Klassiker: „Zicke, Zacke, Hühnerkacke“.

Für etwas ältere Kinder bieten wir:

„Deutschlandreise für Kinder“ ab 6 Jahren vermittelt viel Wissenswertes über Orte und Städte in Deutschland. „Sagaland“ ist ein alter Bekannter.   Mit „Magnefix“ , „Monopoly Junior“ und „Pyjama- Drama“ decken wir lustige Familienspiele ab. „Magnefix“ sieht einfach aus, aber man muss sehr reaktionsschnell sein und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben. bei „Pyjama-Drama“ handelt es sich um ein kreatives einfaches Merkspiel. „Käpt’n Kuller“ ist ein witziges Spiel  für 2-4 Piraten ab 5 Jahren, in dem es um Geschicklichkeit geht. Man zielt mit einem Rohr auf die Diamanten im Spielfeld und lässt die Kugel rollen, um Diamanten einzusammeln.

Die Spiele „Robin von Locksley“, „Kurz vor knapp“ und „Jumping Cups“  und „Monopoly“ sind alle für Menschen ab 8 Jahren aufwärts. Bei „Robin von Locksley handelt es sich um ein schnell aufgebautes Spiel für zwei Personen. Zwei Spieler streiten um die Gunst von König Löwenherz. Um ihn aus der Gefangenschaft zu befreien, müssen sie Beutezüge gegen die Normannen führen. Wer die meisten Schätze erbeutet und unter dem Volk verteilt, gewinnt das Spiel. „Kurz vor knapp“ besticht ebenso wie „Jumping Cups“ durch gutes und robustes Spielmaterial. Bei „Kurz vor knapp“ geht um Bauspaß mit Augenmaß und „Jumping Cups“ fordert Geschick und Taktik. Die Spielekritik formuliert es so: Ein taktisches Spiel mit einfachen Regeln, aber viel Tiefgang.

Viel Spielspaß!

 

Zum ersten Mal – kein FerienLeseClub in den Sommerferien!

Zum ersten und hoffentlich letzten Mal seit 2008 beteiligt sich die Stadtbücherei Eckernförde in diesem Jahr nicht am FerienLeseClub.

Der Grund für unseren Verzicht ist die Tatsache, dass die Stadtbücherei das Übergangsquartier in der ehemaligen Willers-Jessen-Schule verlässt und in die Stadthalle zurück zieht. Vom 21.Juni bis zum 26. Juli müssen wir die Stadtbücherei deshalb schließen! Wir sind traurig, dass wir auf die tollen Begegnungen mit Euch und Eure begeisterten Erzählungen in diesem Sommer verzichten müssen. Aber wir freuen uns auf das Wiedersehen Ende Juli!

Urlaubsausbeute für alle Wetterlagen – 3 Buchtipps

Lebenssekunden

Cover aus Koha

Fuchs, Katharina
Lebenssekunden
München: Droemer, 2021

Standort: SL (Schöne Literatur)
Signatur: FUCH

Wenn man, wie ich, nicht nur wettertechnisch in den Urlaubsaktivitäten ziemlich ausgebremst ist, freut man sich doch umso mehr über anregende, interessante und erfreuliche Lektüre.

Der Roman von Katharina Fuchs katapultierte mich in Kindheits- und Jugenderinnerungen zurück, denn ich habe damals in der DDR lebende Geschwister. Er spielt in den Jahren 1956-1961. Angelika Stein, eine junge Kasslerin, wird wegen ungebührlichen Betragens von der Schule verwiesen, was sich im Nachhinein als Glück erweist. Denn so ist sie nicht in der Schule, als dort ein Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg explodiert und ihre beste Freundin ums Leben kommt. Das Foto dieses Unglücks in der Presse schockiert sie zutiefst. Sie interessiert sich schon lange für die Kunst des Fotografierens und hat das Glück eine Fotografen-Lehre machen zu dürfen.

Christine Magold, Tochter eines Republikflüchtigen, lebt zur gleichen Zeit in Berlin in der DDR und wird mit brutalsten Mitteln zur Leistungsturnerin, Spezialdisziplin Barren, ausgebildet. Zu ihrer Ausbildung gehören ein perfider permanenter politischer Druck auf sie und ihre Familie, strikte Nahrungszu-teilung und dadurch ständige Hungergefühle und auch von oben verordnete Körperverletzung, um dem ostdeutschen Bild einer Leistungsturnerin zu entsprechen. Wenn sie nicht spurt, droht ihrem Bruder der Verlust seines Studienplatzes.

Anfangs dürfen die DDR Turner noch an internationalen Wettkämpfen im westlichen Ausland teilnehmen. Staatsziel ist die Olympiade in Rom 1960, zu der aber die Frauen aus fadenscheinigen Gründen nicht fahren dürfen.

Angelikas Lehrherr ist der leibliche Vater von Christine. Angelika geht in den späten 50igern zum „Tagesspiegel“ nach Berlin und versucht sich in einer Männerdomäne ihren Platz zu erobern. Sie fotografiert Willy Brandt und macht sich einen Namen mit ihren Fotos, die anders sind, weil sie einen Blick für die besonderen Momente, die „Lebenssekunden“, hat.

So ist sie 1958 zur Stelle, als die Familie versucht, Christine in den Westen zu bringen, sie aber im Westsektor von den DDR-Behörden eingefangen und zurückgebracht wird. Und sie ist im rechten Moment an Ort und Stelle, um die Sekunde aufs Bild zu bannen, in der sich am 13. August 1961 Christine und ihre Eltern mit Hilfe zusammengeknoteter Bettlaken aus dem Fenster ihrer Wohnung in der Bernauer Str. in die Freiheit retten.

Dieser Roman im Spannungsfeld zwischen beruflicher weiblicher Emanzipation und bespitzelter DDR-Ausbildung lässt sich sehr gut lesen, einziges Manko: das Buch ist von Verlagsseite ärgerlich schlecht redigiert.

Weiter als der Ozean

Cover aus Koha

Turansky, Carrie
Weiter als der Ozean
Aßlar: Gerth Medien, 2021

Standort: SL-Historisches(Schöne Literatur)
Signatur:TURA

Dieser Roman über ein ziemlich dunkles Kapitel der britischen Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Schon nach den ersten fünf Seiten hatte er mich in seinen Bann gezogen und ließ mich am Ende mit einem halben Happy End zurück. Eine Fortsetzung scheint geplant!

In England werden nicht nur Anfang des 20. Jahrhunderts Waisenkinder aus armen Verhältnissen, die in Kinderheimen untergebracht sind, als Kinderemi-granten nach Kanada, aber auch nach Australien und Neuseeland geschickt. Angeblich soll sie dort ein besseres Leben in liebevollen Pflegefamilien erwarten, aber allzu oft werden sie als billige Arbeitskräfte missbraucht. Gängige Praxis zu der Zeit ist es auch, Kinder, die unverschuldet in Not geraten sind, ohne das Wissen der leiblichen Eltern, ins Ausland zu schicken.

So auch in diesem Roman. Die in prekären Verhältnissen lebende, alleiner-ziehende Mutter der Zwillinge Katie und Garth, 14, und der 7jährigen Grace kommt mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus. Garth, der sich nicht anders zu helfen weiß, um den Hunger der Kinder zu stillen, wird beim Stehlen eines Brotlaibes aufgegriffen und so landen alle Kinder im Heim und werden nach Kanada geschickt. Ihre erwachsene Schwester Laura versucht noch das Schlimmste zu verhindern, scheitert jedoch, weil sie zum einen nicht der amtliche Vormund der Kinder ist und zum anderen nicht die immensen Unterbringungskosten der staatlichen Heime aufbringen kann. Deshalb verdingt sie sich als Betreuerin einer weiteren Gruppe von Kindern und kommt dabei dem Anwalt Andrew Frasiers und seinem Compagnon Henry Dowd näher. Andrew und Henry untersuchen im Auftrag des Innenministeriums die Praxis der Kinderemigration, denn die Stimmen in England, die dagegen sind, mehren sich. Andrew und Laura gelingt es, wenigstens Katie kurz vor dem Erschöpfungstod zu finden und mit nach Hause zu nehmen.

Das Leben ist zu kurz für irgendwann

Cover aus Koha

Geraghty, Ciara
Das Leben ist zu kurz für irgendwann
München: Goldmann, 2019

Standort: SL (Schöne Literatur)
Signatur: GERA

Terry und Iris sind beste Freundinnen und würden füreinander durchs Feuer gehen. Aber Iris hat MS und ist so krank, dass sie beschließt, ihr Leben selbstbestimmt in der Schweiz zu beenden. Als Terry feststellt, dass Iris bereits auf dem Weg dorthin ist, packt sie ihren betagten, dementen Vater ins Auto und begleitet Iris in die Schweiz. Terrys Mann und ihre Kinder sind darüber ziemlich konsterniert. Die drei begeben sich auf eine abenteuerliche Reise durch England und Frankreich und auf Terrys Initiative hin kommt es sogar zur Versöhnung zwischen Iris und ihrer Mutter. Was die schlimmsten Tage in Terrys Leben hätten werden können, denn sie hofft immer noch, Iris von ihrem Plan abzubringen, werden trotz mancher Auseinander-setzung mit Iris ihre besten. Die drei Tage sind mit praller Lebenslust, französischem Savoir-vivre und unverbrüchlicher Freundschaft gefüllt. Terry entdeckt ungeahnte Stärken bei sich und wird Einiges in ihrem weiteren Leben ändern. Sie lernt, dass es ein Geschenk ist, das Leben zu leben, jeden einzelnen Tag.

Ich schließe mich in meinem Urteil dem Umschlag-Fazit an: „Liebevoll, witzig, Herz zerreißend – ein anrührender Roman über die Fülle des Lebens und die Kunst, Abschied zu nehmen.“

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Der Buchspazierer – Eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher

Cover aus Koha

  Henn, Carsten
  Der Buchspazierer
  München: Pendo Verlag,2020

 Standort: SL-Schöne Literatur
 Signatur: HENN

Carl Kollhoff ist ein Buchhändler der alten Zunft, etwas aus der Zeit gefallen, der genau zu wissen glaubt, was seine Kunden lesen wollen. Er pflegt bestellte Bücher fein säuberlich eingepackt bei seinen Kunden auf einem Buchspaziergang abzuliefern. Seine Chefin möchte diesen Service ebenso gerne beendet wissen, wie ihn los werden, weil sie die vom Vater geerbte Buchhandlung auf modernen Standard zu bringen versucht.

Carls Kunden werden von ihm mit Namen bedacht, die aus seinem literarischen Erfahrungsschatz stammen, so dass er fast die realen Namen vergisst. So liefert er Bücher bei Effi Briest (Fontane), Herkules, dem Vorleser und Fitzwilliam Darcy (Jane Austen) aus.

Eines Tages taucht ein neugieriges kleines Mädchen auf, das ihn schon lange beobachtet und nun wissen möchte, wohin ihn seine Wege führen. Fast widerwillig lässt er zu, dass sie ihn auf seinen täglichen Runden begleitet und schließt sie in sein Herz. Mit ihrer scharfen Beobachtungsgabe und ihrer Neugier findet sie innerhalb weniger Tage mehr über Carls Kunden heraus, als er in etlichen Jahren. Sie findet heraus, dass der reiche Mr. Darcy sich sehnlichst eine Frau wünscht, die er beim Lesen im Garten beobachten kann, dass der Vorleser einen Roman geschrieben hat, sich aber nicht traut diesen zu veröffentlichen, dass Effi Briest von ihrem Mann misshandelt wird oder dass Herkules nicht lesen kann.

Leider wird Carl von Schaschas Vater angegriffen, der einerseits eifersüchtig ist auf die Zeit, die Schascha mit Carl verbringt und andererseits besorgt über das Verhältnis zwischen den beiden. Das bedeutet das abrupte Ende der Buchspaziergänge, denn Carl wird schwer verletzt und zieht sich völlig von der Welt zurück. Schascha setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um Carl wieder ins Leben zurück zu holen und um mit ihm und seinen Lesern gemeinsam Ordnung in das Chaos der jeweiligen Leben zu bringen.

Es handelt sich um ein ausgesprochen entzückendes Buch. Die Liebe, die Carl mit seinen Büchern und seinen Lesenden verbindet, spricht aus jeder Zeile. Und der Enthusiasmus, mit dem Schascha einfache Lösungen anstrebt wärmen das Herz. Als Team sind beide unschlagbar!

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Ein biografischer Roman für Musikliebhaber

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Cover aus Koha

Peters, Maria
Die Dirigentin
Hamburg: Hoffmann und Campe, 2020

Standort: SL
Signatur: Pete

Antonia Brico wächst in den 1920iger Jahren in Amerika in finanziell schwierigen Zeiten als Willy Wolters auf. Ihre Mutter ist sehr streng und wenig liebevoll, nur ihr Vater versucht ihr ein wenig  Wärme zukommen zu lassen. Früh bekommt sie ein vom Sperrmüll gerettetes Klavier geschenkt, das fortan ihr größter Schatz ist.

Ihr großer Traum ist es Dirigentin zu werden und sie lässt sich von äußeren Problemen nicht unterkriegen und kämpft hart für ihr Recht und ihre Karriere. Die Männerdomäne der Musiker bietet ihr im besten Fall musikalischen Unterricht, aber eher um sie zu sexuellen Handlungen zu überreden.

Als es zwischen ihrer Mutter und ihr zu einem heftigen Streit kommt, erfährt sie, dass sie nicht das leibliche Kind ist, sondern von ihrer biologischen Mutter angeblich zum Höchstgebot verkauft wurde. So macht sie sich auf in die Niederlande, um nach ihren Wurzeln zu suchen und um ihr Vorbild, den Dirigenten Mengelberg, um Unterricht zu bitten. Dieser schickt sie mit einem wenig schmeichelhaften Schreiben nach Hamburg zu Karl Muck. Nebenbei studiert sie an der staatlichen Musikakademie in Berlin.

Ihrer großen Liebe Frank, einem Mitglied der High Society, entsagt sie, um ihrem Lebensziel  zu folgen. Trotzdem unterstützt er sie ein Leben lang und ebnet ihr mit seinem Geld und seinen Beziehungen manchen Weg. 1930 debütiert sie bei den Berliner Philharmonikern. In Amerika gründet sie die New York Women’s Symphony, ein Orchester ausschließlich aus Frauen, mit dem sie vier Jahre äußerst erfolgreich war. Eine ihrer großen Fürsprecherinnen war die Frau von Präsident Roosevelt.

Bestechend an diesem Buch sind die Kapitel, in denen die verschiedenen Protagonisten ihre Sicht der Dinge schildern. Einmal  Antonia selbst, die von ihren Kämpfen und ihren Erfolgen berichtet, dann Frank, der sie und ihre Wünsche respektiert und sie für ihre Kompromisslosigkeit bewundert und schließlich auch ihr bester Freund Robin, der eigentlich Roberta heißt und eine Frau ist.

Man kann sich äußerst gut in die Widrigkeiten hineinversetzen, denen sich Antonia Brico entgegenstellen musste, um als Frau ihren Traum leben zu dürfen, denn damals hatten Frauen in der Gesellschaft noch nicht viel zu sagen. Der Roman wurde 2018 auch verfilmt.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Zwei besondere Kinder-und Jugendsachbücher

Baseler, Marja; van den Brink. Annemarie   
Das Hotel zum Oberstübchen
Leipzig: Klett Kinderbuch, 2020

Standort: Kinderbücherei 2
Signatur: Med 182 B

 

Heute möchte ich Euch zwei sehr schön gestaltete Kinder-und Jugendsachbücher empfehlen. Im Buch „Das Hotel zum Oberstübchen“ geht es auf sehr unterhaltsame Weise auf eine Reise durch das menschliche Gehirn. Neben den ausgesprochen piffigen Illustrationen wird die Reise durch das Gehirn in die spannende Geschichte eines Familientreffens aus Anlass der goldenen Hochzeit der Großeltern verpackt. Ihr erfahrt viel darüber, dass es eine rechte und eine linke Gehirnhälfte gibt, oder dass die Gehirnhälften für verschiedene Talente und Fahigkeiten stehen. Die rechte Hälfte beispielsweise ist eher für die Phantasie und die Kreativität zuständig, während sich in der linken Hälfte alles abspielt, was mit Wissen und logischem Denken oder dem Abspreichern von Informationen zu tun hat. Am Ende des Buches gibt es Tests zum Thema: „Wo liegen Deine Talente?“, Wie klug bist Du emotional?“, oder „Wie arbeitet Dein Gehirn?.

Von diesem Autorenpaar stammt übrigens auch das beliebte Buch „Die Kackwurstfabrik“

Saturno, Carole  
Griechenland
Hildesheim: Gerstenberg, 2020

Standort: Kinderbücherei 2
Signatur : Gesch 159 S

Bei diesem sehr großformatigen Buch, das eigentlich für einen Ausleihbetrieb von Bibliotheken nicht so gut geeignet ist, weil es vorsichtiges Blättern erfordert, handelt es sich um ein wunderschön gestaltetes Buch über Griechenland. Es ist ein Buch mit Pop-Up Seiten, vielen Klappen und sehr verständlich geschriebenen Informationen. Es macht Spaß, es in der Hand zu halten, wenn man ein Freund von schön gemachten Büchern ist.
Wüsstet Ihr, wie die Stadt Athen der Legende nach zu ihrem Namen kam, oder dass bei der Kindererziehung die Mädchen benachteiligt waren und im Gynaikeion lebten? Ebenso kann man etwas über eine der ersten Demokratien lernen. Und wer dann noch nicht genug über Griechenland weiß, hat die Gelegenheit, das griechische Alphabet zu erlernen und seine Fertigkeiten im nächsten Griechenlandurlaub auszuprobieren.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Leseförderung für Liebhaber – oder ein Geschenktipp


Friedel Bott
Warum wir Bücher lieben
Aus den Bücherregalen prominenter Leser
Hamburg: Edel Books; 2019

Standort: Sachbuch
Signatur: LIT 29

Ein wunderbar kurzweiliges Buch möchte ich Ihnen heute, so kurz vor dem Fest, ans Herz legen. Prominente Leser, Schauspieler, Moderatoren, Sänger, Verleger: alle lassen sich von Friedel Bott interviewen und zeigen uns ihre privaten Refugien und Bücherstuben. Keiner von ihnen kann ohne Bücher leben und so erfahren wir viel über ihre Lieblingslektüren, angefangen mit Enid Blyton über Klassiker wie Goethe und seinen Faust, bis hin zu amerikanischer und französischer Literatur. Menschen wie Jürgen von der Lippe, Bettina Tietjen, Wolfgang Niedecken, Michael Krüger als langjähriger Geschäftsführer des Hanser Verlages, oder der inzwischen verstorbene Norbert Blüm kommen zu Wort.

Die Prominenten teilen ihre Leseerfahrungen mit uns und so bekommen wir als Leser noch einige interessante Anregungen, vielleicht mal zu Autoren zu greifen, mit denen wir uns schon immer mal auseinandersetzen wollten. Dieses Buch hat ein sehr angenehmes Layout und dadurch, dass verschiedene Persönlichkeiten vorgestellt werden, muss man es auch nicht an einem Stück lesen, sondern kann von vorne nach hinten und dann wieder andersherum blättern. Die einzelnen Interviews sind zwischen 10 und 20 Seiten lang. Und auch die Frage: ob Bücher überhaupt noch eine Zukunft haben, beantwortet Wolfram Koch mit: „Ja, absolut, definitiv machen Bücher glücklich. Sie machen wütend, sie machen unruhig, sie machen traurig, sie bringen einen zum Lachen.“

Besser hätte ich das auch nicht ausdrücken können!

Eigentlich ist es ein Buch, dass man nicht nur bei uns ausleihen, sondern das noch besser im eigenen Bücherregal stehen sollte, um es immer mal wieder zur Hand zu nehmen.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Autorenlesungen online – eine Adventsüberraschung

Auf eine sehr schöne Idee unserer Büchereizentrale  Schleswig-Holstein möchten wir sowohl für den Deutsch-Unterricht der Schulen als auch für den privaten Gebrauch gerne hinweisen. Weil während der Kinder-und Jugendbuchwochen   durch den Lockdown viele Autorenlesungen abgesagt werden mussten oder auf das nächste Jahr verschoben wurden, haben sich die Schriftsteller*innen eine Adventsüberraschung ausgedacht.

Die Autor*innen der Kinder- und Jugendbuchwochen haben kurze Videos aufgenommen, in denen sie Advents- und Weihnachtsgeschichten vorlesen und erzählen, oder Einblicke in ihre Arbeit geben. Die Videos haben eine Dauer zwischen 15 Min. und ca. 25 Min. und sind für ganz unterschiedliche Altersgruppen geeignet. Unter folgendem Link können Kinder, Jugendliche und  Erwachsene unsere Schriftsteller*innen ein wenig näher kennenlernen.

https://www.bz-sh.de/projekte-bestaende/kjbw-adventsvideos

Viel Spaß beim Anschauen!