Archiv für den Autor: si

Buchtipp: „Eine kurze, aber ungemein pointierte Anleitung wie Mann sich einen Bart stehen lässt“ Basics . Typen . Style . Pflege

Buchtipp Mai 17 Bart FotoMänner – ran an den Bart! – kann ich da nur sagen. Während Frauen ihre Haartracht seit Menschengedenken hegen, pflegen, ondulieren, flechten, färben und wer weiß noch was damit anstellen, tun Männer sich mit ihren geschlechtsspezifischen Haarpartien schwer. Blickt man dagegen etwa 100 Jahre zurück, war ein Mann ohne Bart gar kein Mann!

Nun gut. Mittlerweile geht der Trend durchaus wieder hin zum Bart, Barber Shops bieten ihre Dienste an, Koteletten sind wieder in, da kann es nur von Vorteil sein, sich mal etwas schlau zu machen. Zwei Schweden erklären vom Schnäuzer bis zum Rauschebart, welcher Bart zu welcher Gesichtsform passt, wie er in die gewünschte Form gebracht wird und was es bei der Pflege zu beachten gibt. Prägnante Illustrationen im s/w-Stil erleichtern nicht nur das Nachvollziehen der Rasier- und Pflegetechniken, sondern machen auch einfach Spaß beim Blättern und Auswählen der unendlich vielen Bart-Möglichkeiten.

Wie wär’s mit einem Strindbergbart, einem Old Line Beard, einem Crusader oder gar einem doppelt gezwirbelten Moustache? Jetzt aber los, Männer, eh alles in Ehren ergraut…

Buchtipp Herbst: Akos Doma – Der Weg der Wünsche

Selten haben mich die ersten Sätze und Seiten eines Buches so intensiv gepackt und mich vereinnahmt, wie es diesem Roman von Akos Doma gelang.

Der in Ungarn geborene und in Deutschland aufgewachsene Autor verarbeitet viel doma_akosautobiographisches Material in der Geschichte der Flucht einer Familie aus dem kommunistisch indoktrinierten Land, das seine nicht-linientreue Bevölkerung mit Schikanen überzog (wie sie auch aus der DDR bekannt waren), in Richtung Westdeutschland. Doch um Deutschland geht es hier nicht. Es geht um Enttäuschungen und (falsche) Erwartungen, um naive Hoffnungen, aber auch hehre Einstellungen und Ideale.

Es sind die frühen 70er Jahre, in denen sich die ungarische Familie nicht, wie zuerst verkündet, zum Urlaub am Plattensee aufmacht, sondern über Jugoslawien die Flucht nach Italien antritt um später nach Deutschland zu gelangen. Das Schicksal meint es manchmal gut, aber viel öfter spielt es den Beteiligten übel mit. Teréz und Károly, die Eltern, aber auch die Kinder Misi (8) und besonders Bori (15) wachsen einem ans Herz.

Faszinierend gelingt es dem Autor, die Hauptfiguren plastisch werden zu lassen, sensibel ihre persönlichen Hintergründe zu zeichnen, den Heimatverlust deutlich zu machen und dabei auch noch einen starken, nie abreissenden Spannungsbogen aufzubauen. Die Monate im italienischen Flüchtlingslager sind eine barbarische Probe für die hoffnungsvolle Famile, und es sind – zum Teil teuer erkaufte – Wunder, die dazu führen, dass schließlich alle vereint weiter kommen.

Ein wahrhaft beeindruckendes Buch, das seine Leser auch an aktuelle Flüchtlingsschicksale erinnern kann.cover-doma

 

Neuer Roman von Alex Capus: Das Leben ist gut

Capus Das Leben ist gut Final_MR3.inddcapus_hf_iJa, das Leben meint es gut mit Max, dem Alter Ego des Autors. Wem schon der Titel zu selbstzufrieden scheint, der sollte zu anderen sozialkritischeren Romanen von Mankell o.a. greifen.
Capus sinniert locker über das Leben, wobei ihm die Rolle des finanziell unabhängigen Schriftstellers und Barbesitzers sehr entgegen kommt. Vom Klappentext sollte man sich nicht täuschen lassen: Um die berufsbedingte vorübergehende Trennung von seiner Frau geht es nur am Rande, eher geht es ihm um seine – Schweizer – Heimatstadt, traditionsverwurzelte Ansichten und witzige Porträts von Freunden/Barbesuchern.
Im Gegensatz zu „Lèon und Louise“ eher ein Männerroman – wenn ich diesen Begriff auch sonst gar nicht mag – aber ein genussvoll zu lesender!

Zeitfresser – eine Leseempfehlung

Cover von Zeitfresser von Craig LambertEin Buchtipp mit dem Titel „Zeitfresser“? Ignoriert dieser Bibliothekar etwa komplett, wieviel Zeit das Lesen eines Buches frisst?

Nun, ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen mit diesem Buchtipp, denn es handelt sich dabei um ein ungemein aufklärendes Buch! Craig Lambert, ein amerikanischer Doktor der Soziologie, öffnet uns Lesern die Augen, wie Schattenarbeit – das erstaunlich beliebte „Do it yourself“ – unsere Freizeit einschränkt, wir immer mehr unbezahlte Mehrarbeit leisten, und welche gravierenden Folgen das für die Entwicklung unserer Gesellschaften hat.

Jeder von uns kennt unliebsame Begegnungen mit dem Fahrkartenautomaten (nicht nur der DB), mit endlosen Warteschleifen beim Telefonservice („wählen Sie bitte die 1, wenn Sie diese oder jene Frage haben“), den Vormarsch von Selbstbedienungskassen, das alltägliche Online-Banking oder das seltenere automatisierte Einchecken am Flughafen. Aber ist es tatsächlich normal, dass wir uns immer mehr Arbeitsgänge von Industrie und Handel aufdrängen lassen und einen guten Service – von Fachkräften – immer weniger wertschätzen?

[Ein Exkurs und unmittelbares Beispiel aus meiner Praxis: Jeder Bibliotheksbenutzer kann die Medien seiner Bibliothek über das Internet oder vor Ort auf vorhandene Titel überprüfen. Dabei bekommt er in der Regel als Ergebnis: a) das Medium ist vorhanden (mit Signatur-Chiffre usw.), oder b) das Medium ist nicht vorhanden – eine digitale Auskunft. Was ihm dabei leicht entgeht, sind weiterführende Informationen wie: Alternativen zu diesem Titel, Gründe für eine Fehlanzeige (falsche Schreibweise? Titel ist noch garnicht erschienen? Schlechte Kritik?)…. Das Kommunizieren mit einem Gesprächspartner vom Fach birgt – nicht in jedem Fall – viele Chancen.]

Verblüfft und überzeugt haben mich – neben manchen Exkursen in amerikanische Gegebenheiten, die man überspringen mag – des Autors Schlussfolgerungen zur zunehmenden Isolation und Vereinsamung der Menschheit heute. Im richtigen Zusammenhang gelesen, ergeben seine Ausführungen tatsächlich auch eine Erklärungsmöglichkeit für so manchen Amoklauf, für die Mobbingwelle unter Schülern und weitere krasse Fehlentwicklungen unserer heutigen Zeit.

Übrigens: Die Stadtbücherei Eckernförde legt Wert auf einen guten Service – Selbstverbuchung ist für uns tabu.

 

Mord mit Musik – am Freitag


Plakat "Mord mit Musik" Trio CriminalMord mit Musik – Trio Criminal
Lesung mit mehreren Krimi-Kurzgeschichten , die mehrheitlich im Schleswig-Holsteinischen spielen, im Wechsel mit swingendem Jazz.
Freitag, 24. Juni – 19.30 Uhr – Kurmuschel im Kurpark
Eintritt frei – bei Regen in der Stadtbücherei

1001 Erfindungen, die unsere Welt veränderten

Schmökern Sie gerne? Haben Sie ein Faible für die Geschichten hinter so manchen Dingen? Sind Sie womöglich auch noch an Technik interessiert? Dann führt an diesem Buch kein Weg vorbei!

Auf fast 1000 Seiten werden dem staunenden Lesepublikum ebensoviele Erfindungen, journalistisch sehr anregend formuliert und chronologisch sortiert, näher gebracht. Beispiel gefällig?

„Taschenuhr (um 1508): Henlein konstruiert den ersten Zeitmesser zum Mitnehmen“. Es folgen Hinweise auf die Erfindung der Unruh, Probleme mit Ungenauigkeiten der ersten Modelle, den Begriff der „Nürnberger Eier“, und ein schönes Foto.

Oder: „Ampel (1914): Morgan verordnet verkehrsreichen Straßen ein Steuerungssystem“ – eine wahrlich wegweisende Erfindung, bis heute. Geschmückt mit einem schönen Zitat von Albert Schweitzer: „Der Optimist ist ein Mensch, der überall grünes Licht sieht, während der Pessimist das rote Stopplicht erblickt.“

Bleiben nur noch 999 weitere spannende Artikel. Einziges Manko ist die einseitige Berücksichtigung westlicher Neuerer – der Osten fehlt! Und doch gilt: Selten habe ich mich beim Verfassen eines Buchtipps so hoffnungslos festgelesen…

Elf Tage in Berlin

Hakan Nesser: Elf Tage in Berlin
Btb, 2015, 381 S., 17,99 €

Ungewöhnlich: Geben sonst wir Bibliothekare Lesetipps an unsere Leser, so bekam dieses Mal ich einen besonderen Tipp von einer Leserin. Sie hatte nämlich festgestellt, dass in dem neuen Roman des schwedischen Autors – diesmal kein Kriminalroman – die Eckernförder Stadtbücherei erwähnt sei!Elf Tage in Berlin von Hakan Nesser
Das hat meine Neugierde natürlich geweckt, und da es sich nicht um den soundsovielten neuen Regionalkrimi mit „authentischen Schauplätzen“ handelte, las ich auch sofort los.
Es geht um Arne Murberg, einen jungen Schweden mit dem Handicap eines schlichten Gemüts, das er einem Badeunfall in seiner Jugend verdankt. Er erfährt am Todesbett seines Vaters, dass seine Mutter entgegen früherer Behauptungen nicht tot sei, sondern in Berlin lebe. Arne bekommt den Auftrag sie zu finden und ihr ein mysteriöses Kästchen zu übergeben. Arne wächst in der Folge über sich hinaus, erfährt überraschende Unterstützung durch einen verrückten Professor und eine liebenswerte Rollstuhlfahrerin und erlebt extrem aufregende elf Tage in Berlin.
Das Schöne an dem Buch ist die liebevolle Sorgfalt, mit der Nesser die Personen des Romans zeichnet. Kein bisschen peinlich gerät ihm die Hauptfigur: Arne gewinnt das Herz seiner Leser im Sturm, man hofft (oft) und leidet (selten) mit ihm.
Dass die Geschichte sich zum Ende hin immer fantastischer entwickelt, mit Anklängen an Jonas Jonasson und sogar Cornelia Funke, sei noch verraten – mich hat’s überhaupt nicht gestört.
Es ist dies eines meiner Lieblingsbücher 2015.

von Hans-Jürgen Simon

Dreimal: Lust auf Reisen?

Dreimal: Lust auf Reisen?

Originelle Reise(tage)bücher sind en vogue – hier habe ich drei interessante Neue für Sie ausgesucht:

#10 Tage – in zehn Tagen um die Welt. Von Christoph Karrasch. 

#10 Tage. Von Christoph Karrasch. Erd 188 KDie verrückte Idee des Kielers: 5 Orte auf 5 Kontinenten zu besuchen und das alles in 10 Tagen. Facebook- und Twitter-Follower durften über die Reiseroute (Lima – LasVegas – Auckland – Kathmandu – Kapstadt) und spezielle Aufgaben mitbestimmen. Ganz schön crazy.

Signatur: Erd 188 K

They would rock – 59 Tage Iran. Von Helena Henneken.

41gjb9-QvSL._AA160_Noch zu Zeiten von Präsident  Ahmadinedschad reist H.H. 8 Wochen als Rucksackreisende kreuz und quer durch den Iran – und stellt erstaunt fest, wie offen, kritisch, aber auch frustriert ihre vielen freundlichen Gastgeber sind. Schön aufgemacht, mit vielen Fotos, in persischer Leserichtung!

Signatur: Erd 683 H

Die seltsamsten Orte der Welt. Von Alastair Bonnett.

51AeHuZibyL._AA160_Niemandsländer, Geisterstädte, schwimmende Inseln (nicht die in der Schlei) und andere irritierende Orte beschreibt der englische Professor für Social Geography, z.T. mit ihren Koordinaten. Das geht manchmal tief in politische Zusammenhänge, was die Lektüre packend macht.

Signatur: Erd 208 B

Mal was Medizinisches

Medizinische Ratgeber gehören zum Kernbestand jeder Stadtbücherei, Buchtipp 02-2015kann damit doch die Lücke zwischen ärztlicher Diagnose und persönlicher Entscheidungsfindung verringert werden.
Verstärkt wird das Bedürfnis nach weitergehender Information, wo doch kaum ein Arzt sich noch die Zeit nehmen kann, einen Befund im Patientengespräch ausführlich und allgemeinverständlich zu erklären. Für den Bereich der Orthopädie gibt es jetzt ein neues Fachbuch, das hier optimale Hilfestellung leistet:

Orthopädie für Patienten, von Christoph Klein. Erschienen 2014 im Verlag Michels-Klein, 827 S., EUR 49,80

Standort: Sachbuch / EG
Signatur: Med 730 K

Auf gut 800 Seiten vermittelt der Autor, selbst praktizierender Facharzt für Orthopädie, ausführliche und gut bebilderte Informationen, auf Grund derer Patienten dann besser in der Lage sind, Entscheidungen zur weiteren Behandlung zu treffen. „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ Ein sehr treffendes Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach – diesem Zustand des Unwissens kann in Bezug auf den menschlichen Bewegungsapparat abgeholfen werden. Von der Halswirbelsäule über Schulter, Hüfte, Knie bis zum Fuß: Dieses Buch hat „Hand und Fuß“. Und welcher Erwachsene hat damit noch nie Beschwerden gehabt?