Archiv des Autors: Caroline Weck

Ein Kinderbuch ohne Jahrgrenze

Liebe Schwester

von Alison McGhee
Illustrationen von Joe Bluhm
Standort: SLK 3
Signatur: MAC

„Liebe Schwester, sie haben mich gefragt, wieso ich dich immer nur „Schwester“ nenne. Weil ich einen tollen Namen für dich ausgesucht hatte. Deswegen.
Aber haben sie auf mich gehört?
NEIN.
Also es bleibt bei „Schwester“.“

Liebe Schwester ist ein besonderes Buch.

Der Erzähler ist ein zehnjähriger Junge, er hat seit paar Monaten eine neue Schwester und seine Eltern wollen, dass er regelmäßig Briefe an sie schreibt. Der Bruder erklärt, was in ihren Leben passiert. Für ihn ist seine Schwester am Anfang nur nervig, weil sie die ganze Zeit weint.

Mit den Jahren geht es ein bisschen besser, aber es bleibt für den Jungen trotzdem nicht so einfach. Es gibt auch ein riesiges Problem, die Schwester liebt ein Buch und will immer wieder, dass ihr Bruder das Buch vorliest. Nach dreihundert Millionen Mal Lesung hat der große Bruder echt genug davon. Er macht trotzdem seiner Schwester zuliebe weiter. Beide Geschwister wachsen und sind manchmal getrennt. Sie lernen langsam, wie  man ohne den Anderen leben kann , die Schwester bastelt zum Beispiel für ihren Bruder, als sie ein paar Tage in einen Feriencamp bleibt und kriegt am Ende Noten von ihrem Bruder.

Dieses Buch ist über die Beziehung zwischen Geschwistern, aber auch über das Erwachsenwerden. Man liest das Buch sehr schnell, der Bruder zeichnet seine Schwester regelmäßig. Wir treffen nie die Eltern, sie sind „die Wärter“, sie prüfen, was der Bruder schreibt oder malt. Regelmäßig kommt wieder der Satz: „die obenstehende Entschuldigung ist eine offizielle Stellungnahme, zu der uns die Wärter gezwungen haben“.

Egal wie alt man ist, dieses Buch kann euch gefallen. Er ist auf jeden Fall nicht nur für Kinder, es ist für alle Leute, die mit Geschwistern oder ohne groß geworden sind. Die Schriftstellerin Alison McGhee schreibt für jedes Alter und die Zeichnungen von Joe Bluhm sind wunderschön. Dieses Buch ist besonders und  man kann es in diesen grauen Zeiten echt genießen.

 

Liest mal,

Caroline Weck
Bibliothekarin

Wilkommen in Paris…

Cover aus Koha

Mas, Victoria
Die Tanzenden
Originaltitel: Le Bal des Folles
Piper (2020)

Standort: SL
Signatur: Mas

Wir sind im Jahr 1885 in Paris, alle Leute wollen die Verrückten aus der Salpêtrière, der psychiatrischen Anstalt, sehen. Charlot, der berühmte Arzt,, macht regelmäßig vor einem internationalen Auditorium von Ärzten, Journalisten und Schriftstellern klinische Demonstration. Wenn ein Fall interessant ist, präsentiert der berühmte Arzt eine Patientin, die dort Drogen oder Medikamente nimmt, um eine Krise zu provozieren. Die Frauen sind nur Vorzeigeobjekte in einer Männerwelt.

Wir folgen mehreren Patienten. Sie sind jung oder alt, und unterscheiden sich sehr voneinander. Zum Beispiel hat Louise ihre Eltern sehr früh verloren und wurde bei ihrer Tante interniert. Die Männer spielen eine Nebenrolle, sie sind fast immer die, die die Frauen bringen. Die Frauen sind in der Anstalt, verlassen und dort vergessen. Fast niemand kommt danach zu Besuch, der Kontakt mit der Realität ist komplett gebrochen.  Die einzige Freude, dass sie noch leben, ist die Ballvorbereitung. Einen Abend können sie wieder frei sein und mit anderen Menschen tanzen. Die Verrückten sind eine Kuriosität für die Besucher.

Die Geschichte hat mich berührt, die Époque war für die Frauen sehr schwer, sie mussten immer beachten, dass sie die Regeln folgen. Durch die Seiten lernen wir immer mehr über die Vergangenheit von den Frauen, die dort leben.

Sie entwickeln eine starke Solidarität. Das Ende ist auch schön gemacht und lässt Hoffnung zu für die Frauen, die dort noch geblieben sind.

„Jetzt ist man überrascht von diesem Auftritt, der Theaterschauspielerin würdig wäre. Da sind Milchmädchen und Marquisen und weibliche Pierrots, Musketiere und Kolombinen, Reiterinnen und Zauberinnen, Troubadoure und Matrosen, Bäuerinnen und Königinnen. Die Mädchen kommen aus allen möglichen Sektionen, sie sind Hysterikerinnen, Epileptikerinnen und Hypernervöse, jung und weniger jung, aber allesamt charismatisch, als würden sie sich durch etwas anderes als die Krankheit und die Mauern der Anstalt vom Rest der Menschen unterscheiden -eine bestimmte Arte zu existieren und sich in der Welt zu bewegen.“

Caroline Weck
Bibliothekarin

Green Screen Naturfilmfestival in der Stadtbücherei

Das Greenscreen Festival hat diese Woche in Eckernförde angefangen. Die Stadtbücherei macht mit ; wir haben im Flur alle unsere Sach-DVDs über Natur, Biologie, Nachhaltigkeit… ausgestellt 😊. Die Auswahl ist für Kinder und Erwachsene.

Sie können mit den Vögeln fliegen oder sich über die Climate Warriors informieren.

Hier können Sie zu Hause ein Überblick haben:

Für die Kinder:

Und noch vieles mehr warten auf Sie bei uns…

Ein vergessener Ort

Cover aus Koha

Sten, Camilla:
Das Dorf der toten Seelen
Hamburg HarperCollins 2020

Standort: SL-Thriller
Signatur: STEN

Jetzt kommt ein Thriller, den ich gern empfehle. Camilla Sten ist die Tochter von Viveca Sten, sie haben zusammen schon ein paar Bücher geschrieben. Dieses Buch ist das erste, das Camilla Sten allein schreibt.

Man folgt Alice und ihrer Uroma Elsa durch die Zeiten. Vor 60 Jahren verschwanden die Einwohner aus Silvertjärn. Die einzige Person, die noch gefunden wurde, war ein Kind. Die Häuser sind verlassen, und man findet noch auf dem Tisch Geschirr und Kaffeetassen. Alice Oma hatte durch das Verschwinden der Bewohner ihre Familie verloren. Als alles passierte, war sie schon erwachsen und wohnte in Stockholm. Alice ist mit dem Mysterium groß geworden und sammelt schon jede Spur, die sie über Silvertjärn finden konnte. Sie will ihrem ersten Dokumentarfilm dort drehen und fährt mit Kollegen nach Silvertjärn…

Die Kapitel wechseln zwischen Vergangenheit, Gegenwart und den Briefen. Alice plant nur paar Tage dort ein, um Material zu sammeln. Ich habe das Buch schnell gelesen, man will einfach endlich verstehen, warum so viele Leute spurlos verschwunden sind. Die heutigen Charaktere bleiben ein bisschen blasser als die damaligen Protagonisten. Ich habe wirklich gerne Elsa und ihre Tochter verfolgt. Das Ende ist fast zu schnell und zu plötzlich geschrieben, und es fehlt vielleicht sogar ein Kapitel. Manche Fragen werden gar nicht beantwortet.

Zum Schluss, ich wollte selbst nach Silvertjärn und die Orte entdecken. Das Dorf scheint wie ein Traum, in der Vergangenheit stehen geblieben. Da wohnt niemand mehr und alles ist so wie es früher war…

 

Caroline Weck

Bibliothekarin

Buchempfehlung Mai 2020

Cover aus Koha

Jasmin Schreiber
Marianengraben
257 Seiten
Verlag: Eichborn

Standort: SL
Signatur: Schrei

„Mein Roman in zwei Sätzen

Es geht um kleine Brüder, um Liebe, Tod und darum, wieso man immer in die Berge fahren sollte, wenn das Leben zu viel und der Druck ganz unten im Marianengraben zu hoch wird. Und um eine Henne namens Lutz.“ Jasmin Schreiber, Buchreport

Der Marianengraben im Pazifischen Ozean ist mit einer Maximaltiefe von 11 000 die tiefste Stelle der Weltmeere. Da leben unbekannte Tiere, Fische, fast eine andere Welt. So tief ist die Liebe von Paula für ihren kleinen Bruder Tim, der den Marianengraben megakrass fand.

Tim hatte eine Faszination für den Ort. Nach seinem Ertrinken auf einer Familienreise, fällt Paula in eine tiefe Depression, tief wie der Marianengraben. Sie war an dem Tag nicht da und fühlt sich schuldig. Sie will ihre Eltern und Freunde nicht mehr sehen, und schreibt auch nicht mehr ihre Doktorarbeit auf dem Gebiet der Biologie.

Ihr Therapeut kann Paula kaum helfen und empfehlt einen Besuch am Grab, in einem Moment wo weniger Leute da sind. In der Nacht trifft Paula den achtzigjährigen Helmut, der auch am Friedhof gelandet ist. Er hat die Urne von einem Bekannten ausgegraben und will sie an einen anderen Ort bringen, um eine Abschiedsreise zu machen. Zusammen fangen sie einen Roadtrip zu Helmuts Elternhaus in Südtirol an und reden über die Vergangenheit und den Verlust eines geliebten Menschen. Zwischen den Seiten erfahren wir auch über die Diskussionen zwischen Paula und ihrem Bruder, der immer Fragen hatte.

Das Buch ist manchmal lustig, manchmal melancholisch. Helmut und Paula überleben und kämpfen mit Schuldgefühlen und Traurigkeit. Paula kommt langsam wieder ins Leben zurück. Das Thema ist schwer, aber die Schriftstellerin findet immer Momente für  lustige Situationen.

Jasmin Schreiber hat selbst als Sterbebegleiterin Erfahrung mit Trauer, sie ist auch bekannt als Bloggerin und hat in 2018 den Digitale Female Leader Award gewonnen.

Caroline Weck
(Bibliothekarin)