Archiv des Autors: Caroline Weck

Buchempfehlung Mai 2020

Cover aus Koha

Jasmin Schreiber
Marianengraben
257 Seiten
Verlag: Eichborn

Standort: SL
Signatur: Schrei

„Mein Roman in zwei Sätzen

Es geht um kleine Brüder, um Liebe, Tod und darum, wieso man immer in die Berge fahren sollte, wenn das Leben zu viel und der Druck ganz unten im Marianengraben zu hoch wird. Und um eine Henne namens Lutz.“ Jasmin Schreiber, Buchreport

Der Marianengraben im Pazifischen Ozean ist mit einer Maximaltiefe von 11 000 die tiefste Stelle der Weltmeere. Da leben unbekannte Tiere, Fische, fast eine andere Welt. So tief ist die Liebe von Paula für ihren kleinen Bruder Tim, der den Marianengraben megakrass fand.

Tim hatte eine Faszination für den Ort. Nach seinem Ertrinken auf einer Familienreise, fällt Paula in eine tiefe Depression, tief wie der Marianengraben. Sie war an dem Tag nicht da und fühlt sich schuldig. Sie will ihre Eltern und Freunde nicht mehr sehen, und schreibt auch nicht mehr ihre Doktorarbeit auf dem Gebiet der Biologie.

Ihr Therapeut kann Paula kaum helfen und empfehlt einen Besuch am Grab, in einem Moment wo weniger Leute da sind. In der Nacht trifft Paula den achtzigjährigen Helmut, der auch am Friedhof gelandet ist. Er hat die Urne von einem Bekannten ausgegraben und will sie an einen anderen Ort bringen, um eine Abschiedsreise zu machen. Zusammen fangen sie einen Roadtrip zu Helmuts Elternhaus in Südtirol an und reden über die Vergangenheit und den Verlust eines geliebten Menschen. Zwischen den Seiten erfahren wir auch über die Diskussionen zwischen Paula und ihrem Bruder, der immer Fragen hatte.

Das Buch ist manchmal lustig, manchmal melancholisch. Helmut und Paula überleben und kämpfen mit Schuldgefühlen und Traurigkeit. Paula kommt langsam wieder ins Leben zurück. Das Thema ist schwer, aber die Schriftstellerin findet immer Momente für  lustige Situationen.

Jasmin Schreiber hat selbst als Sterbebegleiterin Erfahrung mit Trauer, sie ist auch bekannt als Bloggerin und hat in 2018 den Digitale Female Leader Award gewonnen.

Caroline Weck
(Bibliothekarin)