Buchtipp Herbst: Akos Doma – Der Weg der Wünsche

Selten haben mich die ersten Sätze und Seiten eines Buches so intensiv gepackt und mich vereinnahmt, wie es diesem Roman von Akos Doma gelang.

Der in Ungarn geborene und in Deutschland aufgewachsene Autor verarbeitet viel doma_akosautobiographisches Material in der Geschichte der Flucht einer Familie aus dem kommunistisch indoktrinierten Land, das seine nicht-linientreue Bevölkerung mit Schikanen überzog (wie sie auch aus der DDR bekannt waren), in Richtung Westdeutschland. Doch um Deutschland geht es hier nicht. Es geht um Enttäuschungen und (falsche) Erwartungen, um naive Hoffnungen, aber auch hehre Einstellungen und Ideale.

Es sind die frühen 70er Jahre, in denen sich die ungarische Familie nicht, wie zuerst verkündet, zum Urlaub am Plattensee aufmacht, sondern über Jugoslawien die Flucht nach Italien antritt um später nach Deutschland zu gelangen. Das Schicksal meint es manchmal gut, aber viel öfter spielt es den Beteiligten übel mit. Teréz und Károly, die Eltern, aber auch die Kinder Misi (8) und besonders Bori (15) wachsen einem ans Herz.

Faszinierend gelingt es dem Autor, die Hauptfiguren plastisch werden zu lassen, sensibel ihre persönlichen Hintergründe zu zeichnen, den Heimatverlust deutlich zu machen und dabei auch noch einen starken, nie abreissenden Spannungsbogen aufzubauen. Die Monate im italienischen Flüchtlingslager sind eine barbarische Probe für die hoffnungsvolle Famile, und es sind – zum Teil teuer erkaufte – Wunder, die dazu führen, dass schließlich alle vereint weiter kommen.

Ein wahrhaft beeindruckendes Buch, das seine Leser auch an aktuelle Flüchtlingsschicksale erinnern kann.cover-doma