Archiv der Kategorie: Empfehlungen

In dieser Kategorie finden sich Medienempfehlungen des Büchereiteams

Coronazeit ist Gesellschafts-Spiele-Zeit

In der Stadtbücherei Eckernförde gibt es viele Gesellschaftsspiele. Weil wir wegen Corona nicht so viele Kontakte haben dürfen, empfehlen wir nicht nur unsere  Spiele, sondern ganz besonders auch unsere neu eingetroffenen Spiele.

Für die kleineren Spieler  empfehlen wir „Hans im Glück“ – ein pfiffiges Tausch- und Sammelspiel ab 6 Jahren für 2-4 Spieler, oder „1,2,3“, ein Spiel für 2-8 Spieler ab 4 Jahren, das ein wenig an Memory erinnert. Ebenfalls für Kleine Spieler ab 4 Jahren ist „Go slow!“ geeignet. Hierbei handelt es sich um ein hübsch gestaltetes Schneckenrennen.

Für Menschen ab 8 Jahren bieten wir mit „No return“ ein Spiel für zwei bis vier Spieler. Erst legt man Zahlensteine aus, dann werden sie wieder abgeräumt. Ziel des Spieles ist es am Ende möglichst wenig Minuspunkte zu bekommen. „Activity junior“ ist ein Partyspiel für Teams. Je mehr Spieler dabei sind, umso mehr Spaß macht es. Deshalb kann man es mit 4-12 Spielern spielen.

„Pictures“ ist das Spiel des Jahres 2020! Es ist für 3-5 Spieler geeignet. Ziel des Spiels ist es, mit Hilfe von Bauklötzen, Steinen, Schnürsenkeln und anderen Materialien vorgegebene Bilder nachzustellen. Die Mitspieler versuchen zu erraten, welche der Bilder der betreffende Spieler dargestellt hat. Dafür werden Punkte verteilt. Nach 5 Runden endet das Spiel.

Ein Kinderbuch ohne Jahrgrenze

Liebe Schwester

von Alison McGhee
Illustrationen von Joe Bluhm
Standort: SLK 3
Signatur: MAC

„Liebe Schwester, sie haben mich gefragt, wieso ich dich immer nur „Schwester“ nenne. Weil ich einen tollen Namen für dich ausgesucht hatte. Deswegen.
Aber haben sie auf mich gehört?
NEIN.
Also es bleibt bei „Schwester“.“

Liebe Schwester ist ein besonderes Buch.

Der Erzähler ist ein zehnjähriger Junge, er hat seit paar Monaten eine neue Schwester und seine Eltern wollen, dass er regelmäßig Briefe an sie schreibt. Der Bruder erklärt, was in ihren Leben passiert. Für ihn ist seine Schwester am Anfang nur nervig, weil sie die ganze Zeit weint.

Mit den Jahren geht es ein bisschen besser, aber es bleibt für den Jungen trotzdem nicht so einfach. Es gibt auch ein riesiges Problem, die Schwester liebt ein Buch und will immer wieder, dass ihr Bruder das Buch vorliest. Nach dreihundert Millionen Mal Lesung hat der große Bruder echt genug davon. Er macht trotzdem seiner Schwester zuliebe weiter. Beide Geschwister wachsen und sind manchmal getrennt. Sie lernen langsam, wie  man ohne den Anderen leben kann , die Schwester bastelt zum Beispiel für ihren Bruder, als sie ein paar Tage in einen Feriencamp bleibt und kriegt am Ende Noten von ihrem Bruder.

Dieses Buch ist über die Beziehung zwischen Geschwistern, aber auch über das Erwachsenwerden. Man liest das Buch sehr schnell, der Bruder zeichnet seine Schwester regelmäßig. Wir treffen nie die Eltern, sie sind „die Wärter“, sie prüfen, was der Bruder schreibt oder malt. Regelmäßig kommt wieder der Satz: „die obenstehende Entschuldigung ist eine offizielle Stellungnahme, zu der uns die Wärter gezwungen haben“.

Egal wie alt man ist, dieses Buch kann euch gefallen. Er ist auf jeden Fall nicht nur für Kinder, es ist für alle Leute, die mit Geschwistern oder ohne groß geworden sind. Die Schriftstellerin Alison McGhee schreibt für jedes Alter und die Zeichnungen von Joe Bluhm sind wunderschön. Dieses Buch ist besonders und  man kann es in diesen grauen Zeiten echt genießen.

 

Liest mal,

Caroline Weck
Bibliothekarin

Die Geschichtensammlerin – eine kindliche Chronisten ihrer Zeit

Jessica Kasper Kramer
Die Geschichtensammlerin
München: Goldmann Wunderbaum,2020

Cover aus Koha

Standort:SL
Signatur: Kasp

Ein sehr beeindruckendes Buch über die Zustände in Rumänien kurz vor der Revolution 1989 erwartet uns hier.

Die Protagonistin Ileana ist 10 Jahre alt und sie liebt Geschichten. Als Tochter eines Literaturprofessors weiß sie, was Spannungsbögen und Textkomposition bedeuten. Ileanas Onkel Andrej ist ein Schriftsteller, der sich nicht mundot machen lässt. Er schreibt Texte über die wahren Zustände im Land und schmuggelt sie in den Westen. Eines Tages verschwindet er und es liegt nahe, dass er ein Opfer der Securitate geworden ist.

Ileana schreibt Geschichten am liebsten um, besonders die Enden. Sie ist sehr fantasiebegabt und ihre Lieblingsgeschichte ist das „Märchen von der listigen Ileana“. Immer wieder tauchen im Lauf des Romans Kapitel auf, in denen sie sich das Märchen erzählt und weiterspinnt, und sie ist auch nicht zimperlich, wenn es um grausame Momente in ihrer Geschichte geht.

Als die Familie entdeckt, dass die Wohnung verwanzt ist, vernichtet der Vater Ileanas gesammelte Werke, denn sie sind gefährlich, und man schickt das Mädchen Hals über Kopf zu den ihr unbekannten Großeltern aufs Land. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwiergkeiten schließt Ileana die Bewohner des Bergdorfes ins Herz und findet eine beste Freundin. Per Zufall entdeckt sie beim Spielen in einer verfallene Ruine ihren Onkel Andrej, der halbtot ist, und dem man die Folterspuren durch die Securitate deutlich ansieht. Eine alte Dorfbewohnerin versorgt ihn heimlich. Als die Securitate im Dorf auftaucht, hinterlässt Andrej ein Schriftstück in der Hütte der Großeltern, das an Sprengkraft nicht zu überbieten ist. Auch Ileana gerät ins Visier der Securitate. Das Dorf wird systematisch von den Soldaten zerstört und die Bewohner in andere Gegenden des Landes umgesiedelt. so hofft man, den Rebellen in den Bergen die Unterstützung zu entziehen. Die Securitate bedroht nicht nur Ileana, sondern auch alle, die sie liebt, und so muss Ileana sich die beste Geschichte ihres Lebens ausdenken, um so zu sein, wie die „listige Ileana“ in dem Märchen.

Im Laufe des Romans erfährt man sehr viel über die Zustände im Rumänien der 80iger Jahre. Dass mir die Geschichte dieses europäischen Staates so unbekannt war, hat mich fasziniert. Waren wir vielleicht damals so von der Wiedervereinigung abgelenkt, dass man den Zerfall des Warschauer Paktes zwar registriert hat, sich aber nicht mit den einzelnen Ländern beschäftigt hat? Inzwischen gehört Rumänien zur EU, ein Bruder lebt dort, und so habe ich einige Abende im Netz verbrachtund recherchiert. Alle diese Ereignisse werden im Roman, wenn auch aus Kindersicht, thematisiert.

Trotz der oftmals bedrückenden Ereignisse, die geschildert werden, liest sich dieser Roman sehr unterhaltsam und leicht und ich habe eine Nachschicht eingelegt, weil ich endlich das Ende wissen wollte. .

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Wilkommen in Paris…

Cover aus Koha

Mas, Victoria
Die Tanzenden
Originaltitel: Le Bal des Folles
Piper (2020)

Standort: SL
Signatur: Mas

Wir sind im Jahr 1885 in Paris, alle Leute wollen die Verrückten aus der Salpêtrière, der psychiatrischen Anstalt, sehen. Charlot, der berühmte Arzt,, macht regelmäßig vor einem internationalen Auditorium von Ärzten, Journalisten und Schriftstellern klinische Demonstration. Wenn ein Fall interessant ist, präsentiert der berühmte Arzt eine Patientin, die dort Drogen oder Medikamente nimmt, um eine Krise zu provozieren. Die Frauen sind nur Vorzeigeobjekte in einer Männerwelt.

Wir folgen mehreren Patienten. Sie sind jung oder alt, und unterscheiden sich sehr voneinander. Zum Beispiel hat Louise ihre Eltern sehr früh verloren und wurde bei ihrer Tante interniert. Die Männer spielen eine Nebenrolle, sie sind fast immer die, die die Frauen bringen. Die Frauen sind in der Anstalt, verlassen und dort vergessen. Fast niemand kommt danach zu Besuch, der Kontakt mit der Realität ist komplett gebrochen.  Die einzige Freude, dass sie noch leben, ist die Ballvorbereitung. Einen Abend können sie wieder frei sein und mit anderen Menschen tanzen. Die Verrückten sind eine Kuriosität für die Besucher.

Die Geschichte hat mich berührt, die Époque war für die Frauen sehr schwer, sie mussten immer beachten, dass sie die Regeln folgen. Durch die Seiten lernen wir immer mehr über die Vergangenheit von den Frauen, die dort leben.

Sie entwickeln eine starke Solidarität. Das Ende ist auch schön gemacht und lässt Hoffnung zu für die Frauen, die dort noch geblieben sind.

„Jetzt ist man überrascht von diesem Auftritt, der Theaterschauspielerin würdig wäre. Da sind Milchmädchen und Marquisen und weibliche Pierrots, Musketiere und Kolombinen, Reiterinnen und Zauberinnen, Troubadoure und Matrosen, Bäuerinnen und Königinnen. Die Mädchen kommen aus allen möglichen Sektionen, sie sind Hysterikerinnen, Epileptikerinnen und Hypernervöse, jung und weniger jung, aber allesamt charismatisch, als würden sie sich durch etwas anderes als die Krankheit und die Mauern der Anstalt vom Rest der Menschen unterscheiden -eine bestimmte Arte zu existieren und sich in der Welt zu bewegen.“

Caroline Weck
Bibliothekarin

Green Screen Naturfilmfestival in der Stadtbücherei

Das Greenscreen Festival hat diese Woche in Eckernförde angefangen. Die Stadtbücherei macht mit ; wir haben im Flur alle unsere Sach-DVDs über Natur, Biologie, Nachhaltigkeit… ausgestellt 😊. Die Auswahl ist für Kinder und Erwachsene.

Sie können mit den Vögeln fliegen oder sich über die Climate Warriors informieren.

Hier können Sie zu Hause ein Überblick haben:

Für die Kinder:

Und noch vieles mehr warten auf Sie bei uns…

Zwei auf einen Streich

Eine Liebesgeschichte?

Cover aus Koha

Schmidt, Felix
Amelie
Hamburg: Osburg Verlag, 2020

Standort: SL
Signatur: Schmi

Heute empfehle ich zwei kleine Romane, die mich berührt haben, auch wenn ich nicht sagen kann, ob sie mir schlussendlich gefallen. Das überlasse ich Ihrem Urteil!

Auf der Suche nach kleinen Romanen fiel mir dieser mit 150 Seiten  in die Hände. Das etwas melancholisch anmutende Cover machte mich neugierig.

Max, Musikjournalist und in seinen 80 igern, hat mit Amelie gerade Silberhochzeit gefeiert. Amelie ist 25 Jahre jünger. Beide haben erwachsene Kinder. Paul bemerkt schon länger Anzeichen, dass Amelie sich verändert. Plötzlich sieht sie jugendlicher aus und kleidet sich auch so. Er findet heraus, dass sie schon länger ein leidenschaftliches Verhältnis mit dem gemeinsamen besten Freund, dem berühmten Dirigenten Paul hat. Max fällt aus allen Wolken, dachte er doch, diese Liebe sei für die Ewigkeit gemacht. Er vermag Amelie nicht an ihrer Liaison zu hindern und leidet wie ein Hund. Zusätzlich quält er sich, indem er den Mailwechsel zwischen Paul und Amelie, immerhin einen Ordner von 500 Seiten, liest. Es dauert lange, bis er sich entschließt, sich von Amelie scheiden zu lassen. Denn er liebt sie wie am ersten Tag und schwebt ständig zwischen der Hoffnung, sie käme zu ihm zurück und dem Kampf mit seiner Selbstachtung. Hatte ich am Anfang noch Verständnis für Amelie, so wurde sie mir von Seite zu Seite unsympathischer in ihrer egoistischen Grundeinstellung von beiden Männern das Beste zu wollen. Ob Max jetzt ein tragischer Held oder ein leicht morbider Trottel ist, vermag ich noch nicht abschließend zu beurteilen.

Nichtsdestotrotz ist das Buch gut geschrieben und fesselte mich bis zur letzten Seite.

 

Philiosophie für Liebhaber

Cover aus Koha

Friedmann, Alexandra
Eine Geschichte von Sturm und Stille
Stuttgart: Urachhaus, 2020

Standort: SL
Signatur: Frie

Dieses kleine, 128 seitige Buch, berührt durch die Stille und die ruhige Handlung, die eigentlich keine ist. Es ist etwas für Lesende, die sich gerne Gedanken machen und die bereit sind, sich auf philosophische Fragen über das Leben einzulassen. Es ist ein Roman, den ich nicht in einem Zug lesen konnte, weil ich auf die Handlung wartete und so viel zum Nachdenken hatte.

Mano ist ein junger Flüchtling, der wie so viele, in einem altersschwachen Boot auf dem Meer unterwegs in eine hoffentlich bessere Zukunft ist. Als während eines schweren Sturms Wasser ins Boot dringt, fällt der Nichtschwimmer Mano über Bord und hat schon fast mit seinem Leben abgeschlossen. Im Meer trifft er auf einen sprechenden Fisch, mit dem er sich über seine Vergangenheit und seine Suche nach dem eigenen „Ich“ unterhält. Dabei wird Mano vieles klar. Zum Beispiel, dass man im Leben offene Augen und Ohren braucht, um sein Glück wahrzunehmen und sich seinen Ängsten zu stellen und sie zu überwinden.

Diese allgemeinen Fragen des Lebens, über die Mano mit dem Fisch diskutiert, was ist wichtig und was nicht, sind Fragen, die sich jeder von uns vielleicht schon mal gestellt hat. Es ist interssant, einmal inne zu halten und sich mit diesen Fragen zu auseinander zu setzen.

Ich bin gespannt, ob diese Lektüren Ihren Beifall finden.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Ein vergessener Ort

Cover aus Koha

Sten, Camilla:
Das Dorf der toten Seelen
Hamburg HarperCollins 2020

Standort: SL-Thriller
Signatur: STEN

Jetzt kommt ein Thriller, den ich gern empfehle. Camilla Sten ist die Tochter von Viveca Sten, sie haben zusammen schon ein paar Bücher geschrieben. Dieses Buch ist das erste, das Camilla Sten allein schreibt.

Man folgt Alice und ihrer Uroma Elsa durch die Zeiten. Vor 60 Jahren verschwanden die Einwohner aus Silvertjärn. Die einzige Person, die noch gefunden wurde, war ein Kind. Die Häuser sind verlassen, und man findet noch auf dem Tisch Geschirr und Kaffeetassen. Alice Oma hatte durch das Verschwinden der Bewohner ihre Familie verloren. Als alles passierte, war sie schon erwachsen und wohnte in Stockholm. Alice ist mit dem Mysterium groß geworden und sammelt schon jede Spur, die sie über Silvertjärn finden konnte. Sie will ihrem ersten Dokumentarfilm dort drehen und fährt mit Kollegen nach Silvertjärn…

Die Kapitel wechseln zwischen Vergangenheit, Gegenwart und den Briefen. Alice plant nur paar Tage dort ein, um Material zu sammeln. Ich habe das Buch schnell gelesen, man will einfach endlich verstehen, warum so viele Leute spurlos verschwunden sind. Die heutigen Charaktere bleiben ein bisschen blasser als die damaligen Protagonisten. Ich habe wirklich gerne Elsa und ihre Tochter verfolgt. Das Ende ist fast zu schnell und zu plötzlich geschrieben, und es fehlt vielleicht sogar ein Kapitel. Manche Fragen werden gar nicht beantwortet.

Zum Schluss, ich wollte selbst nach Silvertjärn und die Orte entdecken. Das Dorf scheint wie ein Traum, in der Vergangenheit stehen geblieben. Da wohnt niemand mehr und alles ist so wie es früher war…

 

Caroline Weck

Bibliothekarin

Wie wäre es mit einem Familienchor?

Halli Hallo Halunken, die Fische sind ertrunken
Das Familien-Liederbuch von Sybille Hein
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2020

Das Familienliederbuch von Sybille Hein

Standort: SK Kinderbücherei
Signatur: NO 77 H

Während der Coronazeit sind Chöre ja wegen der Aeorosole verboten, aber was spricht dagegen, mit den Kindern zuhause einen Familienchor zu gründen. Vielleicht mögen Oma und Opa, Onkel und Tanten mitmachen? Denn viele von den Liedern haben diese vielleicht mit Euch /Ihnen schon gesungen!

In dieser wunderschönen Liedersammlung treffen sich altbekannte Kinderlieder mit Geburtstagsliedern, Reise -und Abschiedsliedern, Tierliedern und vielen mehr. „Wenn sich die Igel küssen“ geben sich ein Stelldichein mit „Auf der Mauer, auf der Lauer“ oder „Im Märzen der Bauer“. Ebenso „Grüß Gott, du schöner Maien“, der sich im Jahresverlauf mit „Bunt sind schon die Wälder, sowie „Rudolph, the Red Nosed Reindeer“ abwechseln lässt.

Und wer meint, er habe die eine oder andere Melodie nicht mehr im Kopf -kein Problem, denn im Buch enthalten ist eine CD, auf der Falk Effenberger 40 Lieder eingesungen hat.

Hätte ich noch kleinere Kinder, würde ich gerne mit ihnen singen, denn es gibt nichts Schöneres als gemeinsam zu musizieren, aber leider sind meine schon erwachsen.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
Diplom-Bibliothekarin

Zauberhafter Kinderbuch- Klassiker

Cover aus Koha

Baum, Lyman Frank:
Der Zauberer von Oz
Würzburg: Arena, 2019 (8. Auflage)

Standort:SLK3 Kinderbücherei
Signatur: Bau+

In dem Vorwort der Buchausgabe, die ich gelesen habe, schreibt Cornelia Funke: „Nimm die Einladung der gedruckten Buchstaben an und tritt ein in das seltsame Land von Oz. Und wenn du mehr Glück hast als ich, kommst du dorthin, während du noch ein Kind bist.“ Da stimme ich voll und aus ganzem Herzen zu.

„Der Zauberer von Oz“ von Lyman Frank Baum ist ein Kinderbuch-Klassiker, und ich weiß nicht, warum ich ihn bisher noch nie gelesen habe. In unserem Bestand war das Buch nicht mehr vorhanden. Ein Umstand, der geändert wurde! Auf dieses Buch wurde ich aufmerksam, als ich einen Roman für Erwachsene las, in dem die Geschichte eine zentrale Rolle spielt, dann tauchte die Geschichte als Film in einem Kinderbuch auf, und zu guter Letzt wurde sie als Neuausgabe auf unserer Einkaufsliste angezeigt. Wenn das kein Grund ist, um Euch die zauberhafte Geschichte ans Herz zu legen…

Dorothy wohnt in Kansas in Amerika bei ihrer Tante und dem Onkel und dem Hund Toto. Eines Tages tobt ein heftiger Zyklon und reißt sie mitsamt dem Haus in die Luft. Sie landet unbeschadet im Land Oz bei den Munchkins. Per Zufall ist ihr Haus genau dort gelandet, wo die böse Hexe des Westens stand und hat diese unter sich begraben. Nur die silbernen Schuhe der Hexe gucken unter dem Haus hervor. Da Dorothy aber wieder nach Hause möchte, bittet sie die gute Hexe des Nordens um Hilfe. Die schickt sie in die Smaragdstadt zum Zauberer von Oz.

Dorothy macht sich mit Toto auf den Weg. Sie trifft auf einen Krähenmann, eine Vogelscheuche, die sich Verstand wünscht, auf einen Blechholzfäller, der eingerostet ist und sich ein Herz wünscht, um lieben zu können. Zusammen setzen sie den Weg nach Oz fort und treffen auch noch auf einen ängstlichen Löwen, der Mut haben möchte. Nach vielen Abenteuern erreichen sie die unermesslich schöne Smaragdstadt, in der alles so funkelt und glitzert, dass alle Menschen grüne Brillen tragen. Der Zauberer von Oz stellt den 4 Gefährten eine Aufgabe, bevor er ihre Wünsche erfüllen will. Sie müssen die böse Hexe des Westens besiegen.

Das Ende dieser hübschen Geschichte möchte ich nicht verraten, denn Ihr sollt es ja am besten selbst lesen. Auch wenn das Buch verfilmt wurde und es ein Musical darüber gibt, die Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen, sind einfach die schönsten. Traut Euch, macht Euch auf den Weg und lasst Euch verzaubern, so wie ich es am Wochenende tat.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt (Diplom-Bibliothekarin)

Das Leben schmeckt nach Nuss und Schokolade

Julia Fischer: Der Geschmack unseres Lebens Foto:Fritzen-Einfeldt

Fischer, Julia
Der Geschmack unseres Lebens
Müchen: Droemer Knaur, 2019

Standort: SL
Signatur: FISC

Ella ist fünf, als ihre Mutter den Freitod wählt. Bis sie erwachsen ist und selbst schon Mutter zweier Kinder, wusste sie nichts vom Suizid. Ihr Vater hat versucht, dieses Wissen vor ihr geheim zu halten. Ella widmet bis zum Krebstod des Vaters ihr ganzes Leben dem Versuch, die familieneigene Haselnussplantage in der Nähe von Turin am Laufen zu halten. Ihr Bruder Danilo, zwei Jahre älter, findet an dem Tag, als er zum Militärdienst muss, den Polizeibericht und erzürnt sich daraufhin derart mit seinem Vater, dass er jahrelang untertaucht. Er begibt sich in den folgenden Jahren auf Spurensuche, um den Freitod seiner Mutter besser verstehen zu können, während seine Schwester ihr eigenes Leben und Glück für ihren Vater opfert.

Die Mutter hat, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, an einer bipolaren Störung gelitten. Was sie ihren Kindern hinterlassen hat, ist ein Rezeptbuch mit Kuchen- und Pralinenrezepten und die bedingungslose Liebe zu der Geschichte „Der Zauberer von Oz“, die sich auch bei Ellas Kindern fortsetzt.

Ella macht sich nach dem Tod des Vaters mit einer Chocolaterie selbständig, ihr Bruder arbeitet nach dem Verkauf der Plantage bei dem neuen Besitzer Michele und dessen Familie. Er wohnt bei dem Nachbarn Salavtore, der im Krieg seine große Liebe und sein ungeborenes Kind im Widerstand verloren hat.

Salvatore gehört zu den  9 alten Männern vom Stadtplatz. Es sind alte Männer, aus jedem Bezirk der Stadt ein Mitglied, die sich jeden Abend draußen auf dem Markt treffen. Sie spinnen Intrigen und sind die heimlichen Regenten der Stadt und spielen somit auch für Ella und ihre Umgebung sehr eine wichtige Rolle. Die  200 Jahre alten Liebesbriefe, die Micheles Mutter  hinter einer Marienstatue gefunden hat und die an Ellas Urahnin gerichtet waren, bestärken Ella darin, ihren eigenen Träumen zu folgen und nicht zu warten bis es zu spät im Leben ist. Diesen Briefen verdankt sie die Entdeckung des i-Tüpfelchens für ihren legendären Nusskuchen „torta die nocciole“. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz in diesem Buch.

Dieses Buch hat mir Spaß gemacht. Ich hatte fast das Gefühl den Geschmack der „torta die nocciole“ auf der Zunge zu spüren und  die italienische Sonne im Gesicht. Und: ganz sicher, meine nächste Lektüre wird die Geschichte „Der Zauberer von Oz“ sein, denn diese Geschichte zieht sich durch den ganzen Roman.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt, Diplom-Bibliothekarin