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In dieser Kategorie finden sich Buchempfehlungen für Erwachsenen

Zwei auf einen Streich

Eine Liebesgeschichte?

Cover aus Koha

Schmidt, Felix
Amelie
Hamburg: Osburg Verlag, 2020

Standort: SL
Signatur: Schmi

Heute empfehle ich zwei kleine Romane, die mich berührt haben, auch wenn ich nicht sagen kann, ob sie mir schlussendlich gefallen. Das überlasse ich Ihrem Urteil!

Auf der Suche nach kleinen Romanen fiel mir dieser mit 150 Seiten  in die Hände. Das etwas melancholisch anmutende Cover machte mich neugierig.

Max, Musikjournalist und in seinen 80 igern, hat mit Amelie gerade Silberhochzeit gefeiert. Amelie ist 25 Jahre jünger. Beide haben erwachsene Kinder. Paul bemerkt schon länger Anzeichen, dass Amelie sich verändert. Plötzlich sieht sie jugendlicher aus und kleidet sich auch so. Er findet heraus, dass sie schon länger ein leidenschaftliches Verhältnis mit dem gemeinsamen besten Freund, dem berühmten Dirigenten Paul hat. Max fällt aus allen Wolken, dachte er doch, diese Liebe sei für die Ewigkeit gemacht. Er vermag Amelie nicht an ihrer Liaison zu hindern und leidet wie ein Hund. Zusätzlich quält er sich, indem er den Mailwechsel zwischen Paul und Amelie, immerhin einen Ordner von 500 Seiten, liest. Es dauert lange, bis er sich entschließt, sich von Amelie scheiden zu lassen. Denn er liebt sie wie am ersten Tag und schwebt ständig zwischen der Hoffnung, sie käme zu ihm zurück und dem Kampf mit seiner Selbstachtung. Hatte ich am Anfang noch Verständnis für Amelie, so wurde sie mir von Seite zu Seite unsympathischer in ihrer egoistischen Grundeinstellung von beiden Männern das Beste zu wollen. Ob Max jetzt ein tragischer Held oder ein leicht morbider Trottel ist, vermag ich noch nicht abschließend zu beurteilen.

Nichtsdestotrotz ist das Buch gut geschrieben und fesselte mich bis zur letzten Seite.

 

Philiosophie für Liebhaber

Cover aus Koha

Friedmann, Alexandra
Eine Geschichte von Sturm und Stille
Stuttgart: Urachhaus, 2020

Standort: SL
Signatur: Frie

Dieses kleine, 128 seitige Buch, berührt durch die Stille und die ruhige Handlung, die eigentlich keine ist. Es ist etwas für Lesende, die sich gerne Gedanken machen und die bereit sind, sich auf philosophische Fragen über das Leben einzulassen. Es ist ein Roman, den ich nicht in einem Zug lesen konnte, weil ich auf die Handlung wartete und so viel zum Nachdenken hatte.

Mano ist ein junger Flüchtling, der wie so viele, in einem altersschwachen Boot auf dem Meer unterwegs in eine hoffentlich bessere Zukunft ist. Als während eines schweren Sturms Wasser ins Boot dringt, fällt der Nichtschwimmer Mano über Bord und hat schon fast mit seinem Leben abgeschlossen. Im Meer trifft er auf einen sprechenden Fisch, mit dem er sich über seine Vergangenheit und seine Suche nach dem eigenen „Ich“ unterhält. Dabei wird Mano vieles klar. Zum Beispiel, dass man im Leben offene Augen und Ohren braucht, um sein Glück wahrzunehmen und sich seinen Ängsten zu stellen und sie zu überwinden.

Diese allgemeinen Fragen des Lebens, über die Mano mit dem Fisch diskutiert, was ist wichtig und was nicht, sind Fragen, die sich jeder von uns vielleicht schon mal gestellt hat. Es ist interssant, einmal inne zu halten und sich mit diesen Fragen zu auseinander zu setzen.

Ich bin gespannt, ob diese Lektüren Ihren Beifall finden.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Wie wäre es mit einem Familienchor?

Halli Hallo Halunken, die Fische sind ertrunken
Das Familien-Liederbuch von Sybille Hein
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2020

Das Familienliederbuch von Sybille Hein

Standort: SK Kinderbücherei
Signatur: NO 77 H

Während der Coronazeit sind Chöre ja wegen der Aeorosole verboten, aber was spricht dagegen, mit den Kindern zuhause einen Familienchor zu gründen. Vielleicht mögen Oma und Opa, Onkel und Tanten mitmachen? Denn viele von den Liedern haben diese vielleicht mit Euch /Ihnen schon gesungen!

In dieser wunderschönen Liedersammlung treffen sich altbekannte Kinderlieder mit Geburtstagsliedern, Reise -und Abschiedsliedern, Tierliedern und vielen mehr. „Wenn sich die Igel küssen“ geben sich ein Stelldichein mit „Auf der Mauer, auf der Lauer“ oder „Im Märzen der Bauer“. Ebenso „Grüß Gott, du schöner Maien“, der sich im Jahresverlauf mit „Bunt sind schon die Wälder, sowie „Rudolph, the Red Nosed Reindeer“ abwechseln lässt.

Und wer meint, er habe die eine oder andere Melodie nicht mehr im Kopf -kein Problem, denn im Buch enthalten ist eine CD, auf der Falk Effenberger 40 Lieder eingesungen hat.

Hätte ich noch kleinere Kinder, würde ich gerne mit ihnen singen, denn es gibt nichts Schöneres als gemeinsam zu musizieren, aber leider sind meine schon erwachsen.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
Diplom-Bibliothekarin

Zauberhafter Kinderbuch- Klassiker

Cover aus Koha

Baum, Lyman Frank:
Der Zauberer von Oz
Würzburg: Arena, 2019 (8. Auflage)

Standort:SLK3 Kinderbücherei
Signatur: Bau+

In dem Vorwort der Buchausgabe, die ich gelesen habe, schreibt Cornelia Funke: „Nimm die Einladung der gedruckten Buchstaben an und tritt ein in das seltsame Land von Oz. Und wenn du mehr Glück hast als ich, kommst du dorthin, während du noch ein Kind bist.“ Da stimme ich voll und aus ganzem Herzen zu.

„Der Zauberer von Oz“ von Lyman Frank Baum ist ein Kinderbuch-Klassiker, und ich weiß nicht, warum ich ihn bisher noch nie gelesen habe. In unserem Bestand war das Buch nicht mehr vorhanden. Ein Umstand, der geändert wurde! Auf dieses Buch wurde ich aufmerksam, als ich einen Roman für Erwachsene las, in dem die Geschichte eine zentrale Rolle spielt, dann tauchte die Geschichte als Film in einem Kinderbuch auf, und zu guter Letzt wurde sie als Neuausgabe auf unserer Einkaufsliste angezeigt. Wenn das kein Grund ist, um Euch die zauberhafte Geschichte ans Herz zu legen…

Dorothy wohnt in Kansas in Amerika bei ihrer Tante und dem Onkel und dem Hund Toto. Eines Tages tobt ein heftiger Zyklon und reißt sie mitsamt dem Haus in die Luft. Sie landet unbeschadet im Land Oz bei den Munchkins. Per Zufall ist ihr Haus genau dort gelandet, wo die böse Hexe des Westens stand und hat diese unter sich begraben. Nur die silbernen Schuhe der Hexe gucken unter dem Haus hervor. Da Dorothy aber wieder nach Hause möchte, bittet sie die gute Hexe des Nordens um Hilfe. Die schickt sie in die Smaragdstadt zum Zauberer von Oz.

Dorothy macht sich mit Toto auf den Weg. Sie trifft auf einen Krähenmann, eine Vogelscheuche, die sich Verstand wünscht, auf einen Blechholzfäller, der eingerostet ist und sich ein Herz wünscht, um lieben zu können. Zusammen setzen sie den Weg nach Oz fort und treffen auch noch auf einen ängstlichen Löwen, der Mut haben möchte. Nach vielen Abenteuern erreichen sie die unermesslich schöne Smaragdstadt, in der alles so funkelt und glitzert, dass alle Menschen grüne Brillen tragen. Der Zauberer von Oz stellt den 4 Gefährten eine Aufgabe, bevor er ihre Wünsche erfüllen will. Sie müssen die böse Hexe des Westens besiegen.

Das Ende dieser hübschen Geschichte möchte ich nicht verraten, denn Ihr sollt es ja am besten selbst lesen. Auch wenn das Buch verfilmt wurde und es ein Musical darüber gibt, die Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen, sind einfach die schönsten. Traut Euch, macht Euch auf den Weg und lasst Euch verzaubern, so wie ich es am Wochenende tat.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt (Diplom-Bibliothekarin)

Das Leben schmeckt nach Nuss und Schokolade

Julia Fischer: Der Geschmack unseres Lebens Foto:Fritzen-Einfeldt

Fischer, Julia
Der Geschmack unseres Lebens
Müchen: Droemer Knaur, 2019

Standort: SL
Signatur: FISC

Ella ist fünf, als ihre Mutter den Freitod wählt. Bis sie erwachsen ist und selbst schon Mutter zweier Kinder, wusste sie nichts vom Suizid. Ihr Vater hat versucht, dieses Wissen vor ihr geheim zu halten. Ella widmet bis zum Krebstod des Vaters ihr ganzes Leben dem Versuch, die familieneigene Haselnussplantage in der Nähe von Turin am Laufen zu halten. Ihr Bruder Danilo, zwei Jahre älter, findet an dem Tag, als er zum Militärdienst muss, den Polizeibericht und erzürnt sich daraufhin derart mit seinem Vater, dass er jahrelang untertaucht. Er begibt sich in den folgenden Jahren auf Spurensuche, um den Freitod seiner Mutter besser verstehen zu können, während seine Schwester ihr eigenes Leben und Glück für ihren Vater opfert.

Die Mutter hat, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, an einer bipolaren Störung gelitten. Was sie ihren Kindern hinterlassen hat, ist ein Rezeptbuch mit Kuchen- und Pralinenrezepten und die bedingungslose Liebe zu der Geschichte „Der Zauberer von Oz“, die sich auch bei Ellas Kindern fortsetzt.

Ella macht sich nach dem Tod des Vaters mit einer Chocolaterie selbständig, ihr Bruder arbeitet nach dem Verkauf der Plantage bei dem neuen Besitzer Michele und dessen Familie. Er wohnt bei dem Nachbarn Salavtore, der im Krieg seine große Liebe und sein ungeborenes Kind im Widerstand verloren hat.

Salvatore gehört zu den  9 alten Männern vom Stadtplatz. Es sind alte Männer, aus jedem Bezirk der Stadt ein Mitglied, die sich jeden Abend draußen auf dem Markt treffen. Sie spinnen Intrigen und sind die heimlichen Regenten der Stadt und spielen somit auch für Ella und ihre Umgebung sehr eine wichtige Rolle. Die  200 Jahre alten Liebesbriefe, die Micheles Mutter  hinter einer Marienstatue gefunden hat und die an Ellas Urahnin gerichtet waren, bestärken Ella darin, ihren eigenen Träumen zu folgen und nicht zu warten bis es zu spät im Leben ist. Diesen Briefen verdankt sie die Entdeckung des i-Tüpfelchens für ihren legendären Nusskuchen „torta die nocciole“. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz in diesem Buch.

Dieses Buch hat mir Spaß gemacht. Ich hatte fast das Gefühl den Geschmack der „torta die nocciole“ auf der Zunge zu spüren und  die italienische Sonne im Gesicht. Und: ganz sicher, meine nächste Lektüre wird die Geschichte „Der Zauberer von Oz“ sein, denn diese Geschichte zieht sich durch den ganzen Roman.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt, Diplom-Bibliothekarin

 

 

Erlesenes von unserem ehemaligen Kollegen Herrn Simon

Foto: A. Lager

Giordano, Paolo
In Zeiten der Ansteckung
Rowohlt, April 2020, 8 €,
im guten Buchhandel / der Bibliothek ihres Vertrauens

Standort: Sachbuch
Signatur: SOZ 980 G

 

Der Autor: Ein Romane schreibender italienischer Physiker. Das Thema: Corona. Er „führt Buch“ über seine Gedanken in diesen Zeiten, und die sind erfreulich luzide.

War es mir zu Beginn fast etwas zu persönlich gehalten, so wächst von Seite zu Seite die Sympathie für diesen wachen kritischen Zeitgenossen. Seine Sicht der Dinge mag unsystematisch erscheinen, sie hebt sich aber wohltuend von all der übrigen medialen Berichterstattung ab. Sein Rat: Die Mahnungen der Wissenschaftler, seien sie auch uneinheitlich, ernst nehmen und: Carpe Diem.

Die Zeit der Pandemie(n) ist leider noch nicht vorbei, deshalb ist das kluge Büchlein mit seinen knapp 80 Seiten in 27 Kapitelchen eine unbedingt lohnende Lektüre!

Hans-Jürgen Simon, Alt-Bibliothekar

Buchtipp April 2020

Fünf Wörter für Glück

Dove, Ella
Fünf Wörter für Glück
399 Seiten
rororo Verlag, 2019

Standort: SL
Signatur: Dove

Das Wort „Glück“ hat eine besondere Anziehungskraft.
Der erste Satz – „Mein Sturz hatte keine 2 Sekunden gedauert, und doch hatte es sich so angefühlt, als würde ich in Zeitlupe fallen.“ – hat mich neugierig gemacht. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Die Hauptfigur Heidi ist auf der Schauspielschule, kurz vor dem Abschluss, und verdient sich ihren Lebensunterhalt mit einem Job in einer Bar. Von ihrem Singledasein hat sie die Nase voll. Da verändert ein Unfall ihr Leben komplett: Heidi wird ein Bein amputiert. Sie ist am Ende und weiß nicht, wie sie mit ihrem Schicksal zurechtkommen soll. Da lernt sie während der Reha Maud kennen, eine rüstige 80-jährige Dame. Maud und ihrem Enkel Jack gelingt es, Heidi aus ihrer Isolation herauszuholen und ihren Lebenssinn zu wecken. Für Jack hat Heidi bald mehr als nur freundschaftliche Gefühle. Aber wie steht er dazu?

Heidis Schicksal hat mich sehr bewegt. Schon als Kind hatte ich häufig mit Menschen, die von Amputationen betroffen waren, zu tun. Das war der Blick von außen. Nun habe ich in diesem Buch einen Einblick in das Leben einer Betroffenen selbst bekommen: wie lernt Heidi den Umgang mit den Schwierigkeiten, Hoffnungen und Zweifeln. Was fühlt sie? Wie reagieren die Menschen in ihrem Umfeld?

Erst am Ende des Buches erfährt der/die LeserIn, dass die Autorin ihre eigene Geschichte als Grundlage für diesen Roman genommen hat. Sie hat selbst durch einen Unfall ihr Bein verloren. Das macht diesen Roman für mich so besonders und empfehlenswert.

Petra Schulschenk
(Verwaltungsfachangestellte)

Lektüre für Leser/innen, die sich auf Etwas einlassen mögen

Olmi, Veronique
Bakhita
Hoffmann und Campe, 2019

Cover aus Koha

Standort: SL
Signatur: Olmi

In „Bakhita“  erzählt Veronique Olmi eine wahre Geschichte. „Bakhita“ heißt eigentlich die  Glückliche. Bakhita lebte ungefähr in der Zeit von 1869 bis 1947.

Dieser Roman entwickelt von der ersten Zeile an eine fast brutale Sogwirkung auf den Leser. Ein kleines Mädchen aus Darfur erlebt als  Fünfjährige  im Sudan zum ersten Mal wie mordende Männer ihr Dorf überfallen. Ihre 14jährige Schwester Kishmet, die gerade ein Kind bekommen hat, wird entführt. Als sie ungefähr sieben Jahre alt ist, wird sie selbst beim Viehhüten entführt und fortan als Sklavin entlang der Sklavenrouten vergewaltigt, fast zu Tode gefoltert und gedemütigt.

Ich habe beim Lesen die verschiedensten Gefühlslagen durchgemacht. Tränen des Mitleids für das Schicksal dieses kleinen Mädchens, des Zorns über unsere Gesellschaft der damaligen Zeit und der Scham, zu welchen Handlungen Menschen fähig sind.

Mit ca. 14 Jahren hat Bakhita endlich einmal Glück und wird an den italienischen Konsul in Khartoum verkauft. Zumindest er versucht  ihr zu helfen. Aber da sie im Lauf der Jahre nicht nur ihren Geburtsnamen vergessen hat oder zu welchem Volk sie gehört, von ihrer ursprünglichen Stammessprache nicht erst zu reden, kann er nicht viel für sie tun. Als er aufgrund der politischen Entwicklungen zurück nach Italien geht, überzeugt sie ihn, sie mitzunehmen. Sie wird als Sklavin einer befreundeten Familie geschenkt, deren Tochter sie das Leben rettet und für die sie fortan als Kindermädchen zuständig ist. Die Liebe, die sich zwischen dem  Kind und der Sklavin entwickelt, wird sie das ganze Leben hüten wie einen kostbaren Schatz.

Als die Familie sich endgültig in Sawakin, einer sudanesischen Hafenstadt am Roten Meer,  niederlässt, weigert sich Bakhita zurückzukehren. Sie erbittet die Aufnahme ins Kloster der Canossianerinnen. Sie möchte nur noch dem „Sklaven am Kreuz“ dienen. Über 50 Jahre verbringt sie in diesem Orden, als tiefschwarze Nonne wird sie von den einen verteufelt, von den anderen wie ein Zirkustier bestaunt. Auch im Kloster verläuft ihr Leben nicht viel erfreulicher, aber ihr Leib und Leben sind nicht mehr in Gefahr und sie kommt zur Ruhe. Zeitlebens schlägt ihr Herz für die Kinder, die immer die Leidtragenden des politischen Geschehens sind. Sie erlebt zwei Kriege. Eines Tages wird die Geschichte ihres Lebens als Buch veröffentlicht, was nicht nur einen medialen Hype auslöst.

Im Jahr 2000 wird sie von Papst Johannes Paul II heiliggesprochen und ist damit die erste sudanesische Heilige.

Ich lege Ihnen diesen Roman dringend ans Herz, auch wenn es keine leichte Lektüre ist, denn mich hat lange kein Buch mehr so tief beeindruckt.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Zusammen ist der schönste Ort

Liebe Leser/innen,
auch wenn wir alle durch Corona ausgebremst werden, möchte ich Ihnen Lektüre empfehlen. Vielleicht schaut die Eine oder der Andere mal auf unsere Homepage und entdeckt etwas Neues. Zwar können wir Sie nicht persönlich bedienen, aber vielleicht möchten Sie unsere örtlichen Buchhändler unterstützen, bei denen man noch via Online-Shop Bücher bestellen und liefern lassen kann.

Cover aus dem Katalog der Stadtbücherei Eckernförde

      Knigge, Judith
      Zusammen ist der schönste Ort
      München; Verlagsgruppe Randow House, 2018

      Standort:SL- Obergeschoss
      Signatur: Knig

Zusammen ist der schönste Ort- diese  Behauptung könnte man fast auch für unsere Umzugsphase gelten lassen, liebe Leser/innen – beim Aufräumen im Obergeschoss fiel mir dieses nette Buch in die Hand. Was man dem Cover nicht ansieht und auch dem Klappentext nicht entnehmen kann, ist die Tatsache, dass die Geschichte in Schleswig-Holstein angesiedelt ist und zwar am Plöner See.

Dagmar, Unternehmersgattin ohne Beruf, steht, nach dem  töd-lichen Verkehrsunfall ihres Mann, mit Ende 40 vor den Scherben ihres Lebens. Zudem teilt der Steuerberatet ihr mit, dass die Firma ihres Mannes Insolvenz anmelden muss und er außer-dem eine hohe Hypothek auf ihr Haus aufgenommen hat. Was nun? Das Haus verkaufen? Diese Option käme ihrem Sohn gelegen, der auf sein Erbe spekuliert.

In einer Fernsehsendung sieht sie einen Beitrag über eine Wohngemeinschaft auf einem Bauernhof und so entsteht die Idee, für ihr viel zu großes Haus Mitbewohner zu suchen, um die Kosten zu minimieren und Einnahmen zu generieren.

So kommt eine ganz gemischte Schicksalsgemeinschaft zustande: Karina, 23 jährige Studentin mit Problemen, ein ehemaliger Bauer namens Karl, ein berühmter Schlagerstar namens Frank, sowie die krebskranke Beate, die Älteste in diesem bunten Haufen. Es dauert nicht lange und die Bewohner verbindet eine tiefe Freundschaft.

Nun möchte ich Ihnen aber nicht zu viel verraten, denn sie sollen bei dieser Lektüre, die gut für einen netten Frühlings-oder Sommernachmittag geeignet ist, ja selber noch Spaß Haben.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Eine kleine, feine Erzählung aus dem England Cromwells

Cover aus KOHA

 Müller, Titus
 Tanz mit mir, Aurelia
 Aßlar: Adeo Verlag, 2019

Standort: Obergeschoss
Signatur: Muel

Auch wenn die Bücherei zur Zeit geschlossen ist, gibt es gute Literatur, die wir zum Vergnügen lesen und Ihnen gerade deshalb ans Herz legen. Ein Autor, der eine Erzählung schreibt, die laut Rückentext in der Zeit des Englands von  Oliver Cromwell angesiedelt ist und ein Buch, das dazu über ein Glitzercover verfügt, erregten meine Neugier.

Mit dieser Erzählung empfehle ich Ihnen ein Buch, das man schon wegen der inneren Aufmachung mit Spaß in die Hand nimmt. Die einzelnen Kapitel beginnen immer mit fein gezeichneten Vignetten.

In „Tanz mit mir, Aurelia“ geht es um Aurelia, Mädchen aus einer Graveursfamilie und aus besserem Hause und um John, der sich als Wasserträger in London durchschlägt. Johns Vater ist seiner Trunksucht erlegen und so wurde er als jüngster von 4 Jungs in der Familie seines Onkels aufgenommen. Denn sein Onkel sagt, er sei noch formbar gewesen. John gehört mit seiner Familie zu den Puritanern, die in Kirchen und im Leben jeden Schmuck verweigern, Kirchenmusik mit Orgelbegleitung verbieten und sich für die einzig wahren Christen halten.
Aurelia hingegen ist lebenslustig, hinterfragt allen Zwang und ist von John fasziniert. Sie treffen sich heimlich und diskutieren über das Leben und den Glauben. Sie kann nicht verstehen, warum ein liebender Gott Feierlichkeiten oder Bilder in Kirchen oder im Leben verbieten sollte. Beide bemühen sich um gegenseitiges Verständnis.
Das Buch endete für mich völlig überraschend, weil unerwartet. Den Schluß möchte ich Ihnen aber natürlich nicht verraten, denn Sie sollen ja selbst das Lesevergnügen genießen.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Für Musikinteressierte ein Schmankerl!

Der Klavierspieler vom Gare du Nord von Gabriel Katz

Katz, Gabriel
Der Klavierspieler vom Gare du Nord
Frankfurt: S. Fischer, 2019

Standort: SL
Signatur: Katz

Gerade hatte ich mich gegen den Kauf des gleichnamigen Hörbuchs entschieden, als ich diesen Roman in die Hände bekam. Und was soll ich Ihnen sagen? Selten habe ich ein Buch so fasziniert und zügig durchgelesen und bedauert unseren Lesern nicht doch noch das Hörbuch zur Verfügung gestellt zu haben.

Am Gare Du Nord in Paris steht für die Allgemeinheit zur Freude ein Klavier, an dem jeder spielen kann, der sich dazu berufen fühlt. Dort treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite am Klavier Mathieu, ein junger Mann aus den Pariser Banlieues, auf der anderen Seite als verzauberter Zuhörer Pierre, der Direktor des Pariser Konservatoriums.

Mathieu, dessen Mutter es nicht mag, wenn er redet wie die Asozialen seines Viertels, kümmert sich um seinen kleinen Bruder, geht zur schlecht bezahlten Arbeit und gerät durch den Einfluss seiner Freunde auf die schiefe Bahn. Als kleiner Junge wurde er von dem Klavierspiel eines Nachbarn verzaubert und von diesem bis zu dessen viel zu frühen Tod gefördert.

Pierre, der sich in einer Lebens-, Arbeits- und Ehekrise bedindet, überredet Mathieu, sich von ihm ausbilden zu lassen und meldet ihn auf dem berühmtesten Wettbewerb der Zunft, dem Grand Prix d’excellence, an.

Innerhalb dreier Monate soll Mathieu vom absoluten Anfänger, was Technik und Notenlesen angeht, zu einem Champion heranwachsen. Ohne sein Talent und seinen gut hinter Kaltschnäuzigkeit getarnten Ehrgeiz und Pierres bedingungslosen Glauben an seine Fähigkeiten wäre dieses Projekt zum Scheitern verurteilt.

Von der ersten Seite an fiebert man mit Mathieu und Pierre mit. Mathieu gerät durch Pierre in ein Milieu, das ihm völlig fremd ist. Und Pierre braucht viel Geschick und Einfühlungsvermögen, um gegen das jungendliche Banlieuegehabe zu bestehen und seine Vorstellungen durchzusetzen. Am Ende profitieren beide von dieser Beziehung.

Und vielleicht ergeht es Ihnen wie mir, dass Sie Lust bekommen, sich das Werk, um das es in diesem Roman geht, das „2. Klavierkonzert op. 18 in c-Moll“ von Sergei Rachmaninow, im Anschluss anzuhören.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
Diplom-Bibliothekarin