Archiv der Kategorie: Buchempfehlungen

In dieser Kategorie finden sich Buchempfehlungen für Erwachsenen

Erlesenes von unserem ehemaligen Kollegen Herrn Simon

Foto: A. Lager

Giordano, Paolo
In Zeiten der Ansteckung
Rowohlt, April 2020, 8 €,
im guten Buchhandel / der Bibliothek ihres Vertrauens

Standort: Sachbuch
Signatur: SOZ 980 G

 

Der Autor: Ein Romane schreibender italienischer Physiker. Das Thema: Corona. Er „führt Buch“ über seine Gedanken in diesen Zeiten, und die sind erfreulich luzide.

War es mir zu Beginn fast etwas zu persönlich gehalten, so wächst von Seite zu Seite die Sympathie für diesen wachen kritischen Zeitgenossen. Seine Sicht der Dinge mag unsystematisch erscheinen, sie hebt sich aber wohltuend von all der übrigen medialen Berichterstattung ab. Sein Rat: Die Mahnungen der Wissenschaftler, seien sie auch uneinheitlich, ernst nehmen und: Carpe Diem.

Die Zeit der Pandemie(n) ist leider noch nicht vorbei, deshalb ist das kluge Büchlein mit seinen knapp 80 Seiten in 27 Kapitelchen eine unbedingt lohnende Lektüre!

Hans-Jürgen Simon, Alt-Bibliothekar

Buchtipp April 2020

Fünf Wörter für Glück

Dove, Ella
Fünf Wörter für Glück
399 Seiten
rororo Verlag, 2019

Standort: SL
Signatur: Dove

Das Wort „Glück“ hat eine besondere Anziehungskraft.
Der erste Satz – „Mein Sturz hatte keine 2 Sekunden gedauert, und doch hatte es sich so angefühlt, als würde ich in Zeitlupe fallen.“ – hat mich neugierig gemacht. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Die Hauptfigur Heidi ist auf der Schauspielschule, kurz vor dem Abschluss, und verdient sich ihren Lebensunterhalt mit einem Job in einer Bar. Von ihrem Singledasein hat sie die Nase voll. Da verändert ein Unfall ihr Leben komplett: Heidi wird ein Bein amputiert. Sie ist am Ende und weiß nicht, wie sie mit ihrem Schicksal zurechtkommen soll. Da lernt sie während der Reha Maud kennen, eine rüstige 80-jährige Dame. Maud und ihrem Enkel Jack gelingt es, Heidi aus ihrer Isolation herauszuholen und ihren Lebenssinn zu wecken. Für Jack hat Heidi bald mehr als nur freundschaftliche Gefühle. Aber wie steht er dazu?

Heidis Schicksal hat mich sehr bewegt. Schon als Kind hatte ich häufig mit Menschen, die von Amputationen betroffen waren, zu tun. Das war der Blick von außen. Nun habe ich in diesem Buch einen Einblick in das Leben einer Betroffenen selbst bekommen: wie lernt Heidi den Umgang mit den Schwierigkeiten, Hoffnungen und Zweifeln. Was fühlt sie? Wie reagieren die Menschen in ihrem Umfeld?

Erst am Ende des Buches erfährt der/die LeserIn, dass die Autorin ihre eigene Geschichte als Grundlage für diesen Roman genommen hat. Sie hat selbst durch einen Unfall ihr Bein verloren. Das macht diesen Roman für mich so besonders und empfehlenswert.

Petra Schulschenk
(Verwaltungsfachangestellte)

Lektüre für Leser/innen, die sich auf Etwas einlassen mögen

Olmi, Veronique
Bakhita
Hoffmann und Campe, 2019

Cover aus Koha

Standort: SL
Signatur: Olmi

In „Bakhita“  erzählt Veronique Olmi eine wahre Geschichte. „Bakhita“ heißt eigentlich die  Glückliche. Bakhita lebte ungefähr in der Zeit von 1869 bis 1947.

Dieser Roman entwickelt von der ersten Zeile an eine fast brutale Sogwirkung auf den Leser. Ein kleines Mädchen aus Darfur erlebt als  Fünfjährige  im Sudan zum ersten Mal wie mordende Männer ihr Dorf überfallen. Ihre 14jährige Schwester Kishmet, die gerade ein Kind bekommen hat, wird entführt. Als sie ungefähr sieben Jahre alt ist, wird sie selbst beim Viehhüten entführt und fortan als Sklavin entlang der Sklavenrouten vergewaltigt, fast zu Tode gefoltert und gedemütigt.

Ich habe beim Lesen die verschiedensten Gefühlslagen durchgemacht. Tränen des Mitleids für das Schicksal dieses kleinen Mädchens, des Zorns über unsere Gesellschaft der damaligen Zeit und der Scham, zu welchen Handlungen Menschen fähig sind.

Mit ca. 14 Jahren hat Bakhita endlich einmal Glück und wird an den italienischen Konsul in Khartoum verkauft. Zumindest er versucht  ihr zu helfen. Aber da sie im Lauf der Jahre nicht nur ihren Geburtsnamen vergessen hat oder zu welchem Volk sie gehört, von ihrer ursprünglichen Stammessprache nicht erst zu reden, kann er nicht viel für sie tun. Als er aufgrund der politischen Entwicklungen zurück nach Italien geht, überzeugt sie ihn, sie mitzunehmen. Sie wird als Sklavin einer befreundeten Familie geschenkt, deren Tochter sie das Leben rettet und für die sie fortan als Kindermädchen zuständig ist. Die Liebe, die sich zwischen dem  Kind und der Sklavin entwickelt, wird sie das ganze Leben hüten wie einen kostbaren Schatz.

Als die Familie sich endgültig in Sawakin, einer sudanesischen Hafenstadt am Roten Meer,  niederlässt, weigert sich Bakhita zurückzukehren. Sie erbittet die Aufnahme ins Kloster der Canossianerinnen. Sie möchte nur noch dem „Sklaven am Kreuz“ dienen. Über 50 Jahre verbringt sie in diesem Orden, als tiefschwarze Nonne wird sie von den einen verteufelt, von den anderen wie ein Zirkustier bestaunt. Auch im Kloster verläuft ihr Leben nicht viel erfreulicher, aber ihr Leib und Leben sind nicht mehr in Gefahr und sie kommt zur Ruhe. Zeitlebens schlägt ihr Herz für die Kinder, die immer die Leidtragenden des politischen Geschehens sind. Sie erlebt zwei Kriege. Eines Tages wird die Geschichte ihres Lebens als Buch veröffentlicht, was nicht nur einen medialen Hype auslöst.

Im Jahr 2000 wird sie von Papst Johannes Paul II heiliggesprochen und ist damit die erste sudanesische Heilige.

Ich lege Ihnen diesen Roman dringend ans Herz, auch wenn es keine leichte Lektüre ist, denn mich hat lange kein Buch mehr so tief beeindruckt.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Zusammen ist der schönste Ort

Liebe Leser/innen,
auch wenn wir alle durch Corona ausgebremst werden, möchte ich Ihnen Lektüre empfehlen. Vielleicht schaut die Eine oder der Andere mal auf unsere Homepage und entdeckt etwas Neues. Zwar können wir Sie nicht persönlich bedienen, aber vielleicht möchten Sie unsere örtlichen Buchhändler unterstützen, bei denen man noch via Online-Shop Bücher bestellen und liefern lassen kann.

Cover aus dem Katalog der Stadtbücherei Eckernförde

      Knigge, Judith
      Zusammen ist der schönste Ort
      München; Verlagsgruppe Randow House, 2018

      Standort:SL- Obergeschoss
      Signatur: Knig

Zusammen ist der schönste Ort- diese  Behauptung könnte man fast auch für unsere Umzugsphase gelten lassen, liebe Leser/innen – beim Aufräumen im Obergeschoss fiel mir dieses nette Buch in die Hand. Was man dem Cover nicht ansieht und auch dem Klappentext nicht entnehmen kann, ist die Tatsache, dass die Geschichte in Schleswig-Holstein angesiedelt ist und zwar am Plöner See.

Dagmar, Unternehmersgattin ohne Beruf, steht, nach dem  töd-lichen Verkehrsunfall ihres Mann, mit Ende 40 vor den Scherben ihres Lebens. Zudem teilt der Steuerberatet ihr mit, dass die Firma ihres Mannes Insolvenz anmelden muss und er außer-dem eine hohe Hypothek auf ihr Haus aufgenommen hat. Was nun? Das Haus verkaufen? Diese Option käme ihrem Sohn gelegen, der auf sein Erbe spekuliert.

In einer Fernsehsendung sieht sie einen Beitrag über eine Wohngemeinschaft auf einem Bauernhof und so entsteht die Idee, für ihr viel zu großes Haus Mitbewohner zu suchen, um die Kosten zu minimieren und Einnahmen zu generieren.

So kommt eine ganz gemischte Schicksalsgemeinschaft zustande: Karina, 23 jährige Studentin mit Problemen, ein ehemaliger Bauer namens Karl, ein berühmter Schlagerstar namens Frank, sowie die krebskranke Beate, die Älteste in diesem bunten Haufen. Es dauert nicht lange und die Bewohner verbindet eine tiefe Freundschaft.

Nun möchte ich Ihnen aber nicht zu viel verraten, denn sie sollen bei dieser Lektüre, die gut für einen netten Frühlings-oder Sommernachmittag geeignet ist, ja selber noch Spaß Haben.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Eine kleine, feine Erzählung aus dem England Cromwells

Cover aus KOHA

 Müller, Titus
 Tanz mit mir, Aurelia
 Aßlar: Adeo Verlag, 2019

Standort: Obergeschoss
Signatur: Muel

Auch wenn die Bücherei zur Zeit geschlossen ist, gibt es gute Literatur, die wir zum Vergnügen lesen und Ihnen gerade deshalb ans Herz legen. Ein Autor, der eine Erzählung schreibt, die laut Rückentext in der Zeit des Englands von  Oliver Cromwell angesiedelt ist und ein Buch, das dazu über ein Glitzercover verfügt, erregten meine Neugier.

Mit dieser Erzählung empfehle ich Ihnen ein Buch, das man schon wegen der inneren Aufmachung mit Spaß in die Hand nimmt. Die einzelnen Kapitel beginnen immer mit fein gezeichneten Vignetten.

In „Tanz mit mir, Aurelia“ geht es um Aurelia, Mädchen aus einer Graveursfamilie und aus besserem Hause und um John, der sich als Wasserträger in London durchschlägt. Johns Vater ist seiner Trunksucht erlegen und so wurde er als jüngster von 4 Jungs in der Familie seines Onkels aufgenommen. Denn sein Onkel sagt, er sei noch formbar gewesen. John gehört mit seiner Familie zu den Puritanern, die in Kirchen und im Leben jeden Schmuck verweigern, Kirchenmusik mit Orgelbegleitung verbieten und sich für die einzig wahren Christen halten.
Aurelia hingegen ist lebenslustig, hinterfragt allen Zwang und ist von John fasziniert. Sie treffen sich heimlich und diskutieren über das Leben und den Glauben. Sie kann nicht verstehen, warum ein liebender Gott Feierlichkeiten oder Bilder in Kirchen oder im Leben verbieten sollte. Beide bemühen sich um gegenseitiges Verständnis.
Das Buch endete für mich völlig überraschend, weil unerwartet. Den Schluß möchte ich Ihnen aber natürlich nicht verraten, denn Sie sollen ja selbst das Lesevergnügen genießen.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Für Musikinteressierte ein Schmankerl!

Der Klavierspieler vom Gare du Nord von Gabriel Katz

Katz, Gabriel
Der Klavierspieler vom Gare du Nord
Frankfurt: S. Fischer, 2019

Standort: SL
Signatur: Katz

Gerade hatte ich mich gegen den Kauf des gleichnamigen Hörbuchs entschieden, als ich diesen Roman in die Hände bekam. Und was soll ich Ihnen sagen? Selten habe ich ein Buch so fasziniert und zügig durchgelesen und bedauert unseren Lesern nicht doch noch das Hörbuch zur Verfügung gestellt zu haben.

Am Gare Du Nord in Paris steht für die Allgemeinheit zur Freude ein Klavier, an dem jeder spielen kann, der sich dazu berufen fühlt. Dort treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite am Klavier Mathieu, ein junger Mann aus den Pariser Banlieues, auf der anderen Seite als verzauberter Zuhörer Pierre, der Direktor des Pariser Konservatoriums.

Mathieu, dessen Mutter es nicht mag, wenn er redet wie die Asozialen seines Viertels, kümmert sich um seinen kleinen Bruder, geht zur schlecht bezahlten Arbeit und gerät durch den Einfluss seiner Freunde auf die schiefe Bahn. Als kleiner Junge wurde er von dem Klavierspiel eines Nachbarn verzaubert und von diesem bis zu dessen viel zu frühen Tod gefördert.

Pierre, der sich in einer Lebens-, Arbeits- und Ehekrise bedindet, überredet Mathieu, sich von ihm ausbilden zu lassen und meldet ihn auf dem berühmtesten Wettbewerb der Zunft, dem Grand Prix d’excellence, an.

Innerhalb dreier Monate soll Mathieu vom absoluten Anfänger, was Technik und Notenlesen angeht, zu einem Champion heranwachsen. Ohne sein Talent und seinen gut hinter Kaltschnäuzigkeit getarnten Ehrgeiz und Pierres bedingungslosen Glauben an seine Fähigkeiten wäre dieses Projekt zum Scheitern verurteilt.

Von der ersten Seite an fiebert man mit Mathieu und Pierre mit. Mathieu gerät durch Pierre in ein Milieu, das ihm völlig fremd ist. Und Pierre braucht viel Geschick und Einfühlungsvermögen, um gegen das jungendliche Banlieuegehabe zu bestehen und seine Vorstellungen durchzusetzen. Am Ende profitieren beide von dieser Beziehung.

Und vielleicht ergeht es Ihnen wie mir, dass Sie Lust bekommen, sich das Werk, um das es in diesem Roman geht, das „2. Klavierkonzert op. 18 in c-Moll“ von Sergei Rachmaninow, im Anschluss anzuhören.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
Diplom-Bibliothekarin

Die Stille zwischen Himmel und Meer

Die Stille zwischen Himmel und MeerSeck, Kati
Die Stille zwischen Himmel und Meer
Köln:Bastei Lübbe, 2017

Standort:SL
Signatur: Seck

Mit Kati Secks Roman „Die Stille zwischen Himmel und Meer“ ist mir mal wieder ein literarisch vergnüglicher Glücksgriff gelungen. Schon das Cover lässt erahnen, dass man es bei diesem Roman nicht mit einem der üblichen Liebesromane zu tun hat.
Edda, ca. 24 Jahre, ist als 5 Jährige von einer Frau aus dem Kindergarten entführt worden und hat 12 Jahre in einem fensterlosen dunklen Kellerraum als Gefangene überleben müssen. Ihre Entführerin Isolde war eine Psychopathin, die ihr eingeredet hat, sie vor der bösen, gefährlichen Welt draußen zu beschützen. Einzige Zerstreuung boten Bücher und ein Radio. Die Erinnerung an die Zeit vor der Entführung ist allmählich verblasst. Erst als 17 jährige schafft sie die Flucht. Langsam muss sie sich ins Leben zurückkämpfen, die Weite des Himmels versetzt sie in Panik und nur dank zahlreicher Psychotherapien lernt sie ein Stück Normalität kennen, die sich für sie aber immer noch fremd anfühlt. Ihre leibliche Mutter zu treffen und eine emotionale Beziehung zu ihr aufzubauen, erscheint ihr wie eine Herkulesaufgabe.

Deshalb fährt sie an die Nordsee. Sie möchte sich der Unendlichkeit des Himmels, der Weite des Meeres, dem Rauschen des Sturmes ausliefern und lernen, dass sie es aus eigener Kraft schafft, auf die Urgewalt der Elemente nicht mehr mit Panikattacken zu reagieren. Durch einen Fehler im Buchungssystem muss sie sich das Ferienhaus mit Sebastian teilen, der vor seinen eigenen Dämonen an die Nordsee geflohen ist. Beide nähern sich einander an. Wo der Eine schwach ist, spendet der Andere unerwartetes Verständnis und Stärke. So lernt Edda Stück für Stück, dass sie sich selbst vertrauen kann und dass sie auch anderen Vertrauen schenken kann und dass sie in einer Notsituation fähig ist ihre Kräfte zu bündeln, um für Andere da zu sein.

Besonders gefällt mir in dem Roman die Art des Erzählens, die psychologischen Betrachtungen bei der Verarbeitung des Kindheits-Traumas, die Rückblenden zwischen dem Heute an der Nordsee und dem Damals in Gefangenschaft. Lassen Sie sich selbst überraschen!

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
Diplom-Bibliothekarin

Buchtipp zum Abschied

Philipp Blom: Was auf dem Spiel steht
Hanser, 2017. 223 S., 20 €

Es wird das letzte Buch sein, das ich als Bibliothekar der Stadtbücherei Eckernförde vorstelle, bald gehe ich in Ruhestand. Mit dieser „Ruhe“ ist es so eine Sache: Jede aufmerksame ZeitgenossIn weiß, dass wir in unruhigen Zeiten leben.
Philipp Bloms Verdienst ist es, als Historiker mit großem philosophischen Wissen (und vice versa) Entwicklungen aus der Vergangenheit mit den Herausforderungen der Gegenwart – als da z.B. wären: Klimawandel, Digitalisierung, Konsum – in die Zukunft zu interpolieren.
Wie er das macht, das ist sowohl wissenschaftlich nachvollziehbar, als auch verblüffend anschaulich dargestellt. Aus dem Klappentext:
„Wir leben in Gesellschaften, in denen die Zukunft keine Verheißung mehr ist, sondern eine Bedrohung. Die reichen Demokratien wollen keine Zukunft, sie wollen behalten, was sie bereits haben. Gleichzeitig sehen wir die ersten Zeichen einer epochalen Transformation […], deren globale Auswirkungen wir erst beginnen zu begreifen. Diese Kollision zwischen Zukunftsverweigerung und historischen Umbrüchen birgt enorme Gefahren. Was auf dem Spiel steht ist nichts weniger als die Existenz eines demokratischen, liberalen Zusammenlebens – und vielleicht unsere Zivilisation.“
Es ist dies ein leidenschaftlicher Appell an uns LeserInnen nicht aufzugeben angesichts der Gefahren, die unsere politische Gegenwart kennzeichnen.

Liebe LeserInnen, für Ihr vielseitiges Interesse, Ihre Neugier verbunden mit Einsichten in das Funktionieren unserer Gesellschaft bedanke ich mich sehr.
Diese Erfahrung stimmt mich – ein wenig zumindest – hoffnungsvoll. Passen wir auf, dass Vernunft und Toleranz nicht untergehen! Bleiben Sie der Stadtbücherei gewogen und werben Sie für diese wertvolle Einrichtung der freien Information!

Mit lesefreundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Simon

Leserempfehlung: Khyona – Im Bann des Silberfalken

Brandis, Katja
Khyona – Im Bann des Silberfalken
Würzburg: Arena, 2018; 474 S.

Standort: SLJ-Fantasy
Signatur: Bran

Kari macht mit ihrer Patchworkfamilie Urlaub auf Island. Dort warten Abgesandte aus Isslar, der Fantasy-Parallelwelt von Island, auf die von der Fürstin begnadigte Assassinin Cecily. Diese sieht Kari sehr ähnlich. Es kommt zu einer Verwechslung und schon wird die ahnungslose Kari anstelle von Cecily durch das magische Tor geführt. Kari selbst vermutet eine ausgefallene Geburtstagsüberraschung. Doch als sie während ihres Rittes die Gespräche ihrer Begleiter verfolgt, wird ihr klar, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als in die Rolle der Assassinin zu schlüpfen. Während Kari versucht, sich in der neuen Welt zurechtzufinden, schmeichelt sich die richtige Assassinin in ihrer zurückgelassenen Familie ein und treibt dort ihr hinterhältiges Handwerk.

Khyona ist ein Werk aus der Feder der Autorin der Woodwalkers-Reihe. Es ist ein hochgelobter Roman für weibliche Leseratten ab 12 Jahren.

Katja Brandis schreibt leicht und einfach. Der Roman besitzt Romantik, Humor und rasantes Szenentempo. Die Fantasywelt ist liebevoll gestaltet. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen.

Für mich war der Verlauf leider wenig überraschend und die Idee nicht neu. Mit der Hauptperson Kari hatte ich meine Schwierigkeiten. Ich traue Jugendlichen mehr Sprachgespür zu. Hättet Ihr nicht am Anfang etwas Zurückhaltung und Unsicherheit in einer fremden Welt? Kari stolpert mir recht unbedarft, plump und planlos durch Isslar. Schade, denn andere Helden sind von Katja Brandis glaubwürdig und gekonnt erschaffen.

Sicherlich werden weitere Bände dieser Reihe erscheinen, denn Khyona ist nur eine der Städte auf Isslar. Auch bleibt die Frage, ob und wie es mit Kari und ihrer neuen Liebe weitergeht.

Leserempfehlung von Nicole Bernhardt

Leserempfehlung: Kaspar, Opa und der Monsterhecht

 Mikael Engström
Kaspar, Opa und der Monsterhecht     
München:dtv Hanser, 2016

Standort: SLK2 (schöne Literatur für Kinder ab 9 Jahren)
Signatur:ENG

 Wenn Sie ein neues Buch zum Vorlesen suchen, dann sollten Sie unbedingt in dieses hineinlesen.

Kaspar lebt bei seinem Opa in einem kleinen Dorf in Schweden. Zusammen schnitzen sie Holzpferdchen und verbringen ihre Freizeit beim Angeln. Als der Außenbordmotor des Bootes kaputtgeht, kommt ein Angelwettbewerb gerade recht, denn der Gewinner soll einen Außenborder mit fünf Pferdestärken erhalten.

Was sich Kaspar und sein Opa einfallen lassen, um den größten Hecht zu angeln und ob sie es schaffen, erfahren Sie nach dem Genuss von 187 Seiten sprachlicher Brillanz.

Völlig zu Recht ausgezeichnet mit dem „Luchs“ von „Die Zeit“ und Radio Bremen, freut es mich, das dieses Buch den Weg zu mir gefunden hat. Es ist nicht von treibender Spannung oder durch Action geprägt, sondern durch ruhige Töne, Sprachgewalt und einer wundervollen Atmosphäre: Ein Buch, das Spaß macht, vorzulesen. Mit einer guten Kapitellänge und dem friedvollen Grundton bildet das Buch den idealen Tagesabschluss für Jungen und Mädchen ab 7 Jahren. Zum Selbstlesen könnte es etwas harmlos sein. In jedem Fall ist es ein gelungenes Buch mit Tiefe, das sich aus der Menge hervorhebt.

Leserempfehlung von Nicole Bernhardt