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„Diese Geschichte könnte die Welt verändern“. The Guardian

Cover aus Koha

Cover aus Koha

Cho, Nam-Jo
Kim Jiyoung, geboren 1982
Kiepenheuer & Witsch; 4. Edition

 Standort: SL-Schöne Literatur
Signatur: JO

Das Buch ist ein Porträt von Kim Jiyoung. Sie ist in Südkorea geboren und litt mit 32 Jahren an einer tiefen Depression. Sie ist gut verheiratet, hat Kinder gekriegt, aber irgendwie fühlt sie sich nicht gut.

In Südkorea werden die Männer mehr geliebt, mehr erwartet als die Frauen. Man kann einen Schwangerschaftsabbruch machen, wenn das Kind ein Mädchen ist. Sie sollten nicht besser als die Männer sein. Kim Jiyoung hat eine Schwester und einen kleinen Bruder. Die sechsköpfige Familie macht alles für das männliche Kind, die Schwestern teilen die Kleidungen, das Essen… Man merkt sehr schnell durch die Mutter, wieviel Arbeit die Frauen in dieser Gesellschaft machen müssen. Sie bleiben zuhause, kochen und sind auch oft für die Finanzen verantwortlich. Wenn der Mann nicht genug Geld verdient, müssen sie auch arbeiten.

Als die beiden Schwestern anfangen wollen zu studieren, überlegen sie vorher, wie sie das selbst finanzieren können, also nicht zu groß träumen. Die Firmen nehmen fast immer Männer und eine Anstellung zu bekommen ist schwieriger. Später erklären die Kollegen, dass die Frauen keine langen Projekte kriegen können, und  sie werden sehr selten in Führungspositionen eingestellt. Ihnen wird sowieso nach der Geburt  ihrer Kinder bald gekündigt. Fakt ist: nach der Geburt arbeiten 4 von 10 Frauen (Studie, 2015).

Kim Jiyoung ist die klassische südkoreanische Frau. Die Schriftstellerin erzählt später, dass dieses Buch eine Zusammenstellung ist. Kim Jiyoung ist eine Repräsentatin von allen Frauen, die auf Ihre Träume verzichten müssen. Der Therapeut, der das Porträt macht, erklärt später, dass viele Männer  diese Schwierigkeiten nicht verstehen können. Er ist selbst verheiratet, seine Frau ist hochgebildet, sie war im Studium besser als er und hat ihre Arbeit wirklich geliebt, aber wie Kim Jiyoung musste sie aufgeben.

Es ist heute mit Corona für die Frauen in Europa schwieriger geworden. Sie sind wieder mehr für den Haushalt und die Kinder verantwortlich. Dieses Buch zeigt ein radikales System. Das Buch ist aus diesen Gründen nicht nur für die Frauen wichtig, sondern auch für die Männer. Cho Nam-Joo integriert auch wissenschaftliche Studien, wenn man weitere Information finden will,

Unbedingt empfohlen <3

Caroline Weck
Bibliothekarin

Der Buchspazierer – Eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher

Cover aus Koha

  Henn, Carsten
  Der Buchspazierer
  München: Pendo Verlag,2020

 Standort: SL-Schöne Literatur
 Signatur: HENN

Carl Kollhoff ist ein Buchhändler der alten Zunft, etwas aus der Zeit gefallen, der genau zu wissen glaubt, was seine Kunden lesen wollen. Er pflegt bestellte Bücher fein säuberlich eingepackt bei seinen Kunden auf einem Buchspaziergang abzuliefern. Seine Chefin möchte diesen Service ebenso gerne beendet wissen, wie ihn los werden, weil sie die vom Vater geerbte Buchhandlung auf modernen Standard zu bringen versucht.

Carls Kunden werden von ihm mit Namen bedacht, die aus seinem literarischen Erfahrungsschatz stammen, so dass er fast die realen Namen vergisst. So liefert er Bücher bei Effi Briest (Fontane), Herkules, dem Vorleser und Fitzwilliam Darcy (Jane Austen) aus.

Eines Tages taucht ein neugieriges kleines Mädchen auf, das ihn schon lange beobachtet und nun wissen möchte, wohin ihn seine Wege führen. Fast widerwillig lässt er zu, dass sie ihn auf seinen täglichen Runden begleitet und schließt sie in sein Herz. Mit ihrer scharfen Beobachtungsgabe und ihrer Neugier findet sie innerhalb weniger Tage mehr über Carls Kunden heraus, als er in etlichen Jahren. Sie findet heraus, dass der reiche Mr. Darcy sich sehnlichst eine Frau wünscht, die er beim Lesen im Garten beobachten kann, dass der Vorleser einen Roman geschrieben hat, sich aber nicht traut diesen zu veröffentlichen, dass Effi Briest von ihrem Mann misshandelt wird oder dass Herkules nicht lesen kann.

Leider wird Carl von Schaschas Vater angegriffen, der einerseits eifersüchtig ist auf die Zeit, die Schascha mit Carl verbringt und andererseits besorgt über das Verhältnis zwischen den beiden. Das bedeutet das abrupte Ende der Buchspaziergänge, denn Carl wird schwer verletzt und zieht sich völlig von der Welt zurück. Schascha setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um Carl wieder ins Leben zurück zu holen und um mit ihm und seinen Lesern gemeinsam Ordnung in das Chaos der jeweiligen Leben zu bringen.

Es handelt sich um ein ausgesprochen entzückendes Buch. Die Liebe, die Carl mit seinen Büchern und seinen Lesenden verbindet, spricht aus jeder Zeile. Und der Enthusiasmus, mit dem Schascha einfache Lösungen anstrebt wärmen das Herz. Als Team sind beide unschlagbar!

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Einfach Ölmalen Landschafts- und Naturmotive in nur 6 Schritten

Cover aus Koha

Cover aus Koha

Martina Lenhardt
Standort: KU 942,1
Verlag: Igling Edition Michael Fischer 2020

 

„Motive zum Malen gibt es sprichwörtlich wie Sand am Meer. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, was wir malen, sondern dass es ein Motiv ist, welches uns emotional anspricht. Behaftet mit schönen Erinnerungen, können wir so Erlebnisse auf unserer Leinwand verewigen und uns immer wieder daran erfreuen.“

 

In einer Bücherei gibt es nicht nur Romane, man kann auch Kunstbücher entdecken. Draußen liegt gerade Schnee, wir können durch das Fenster schauen, und unsere eigene Skizze davon machen.

Martina Lenhardt hat dazu ein Buch geschrieben. Das Buch ist sehr hilfreich und erklärt wie man Landschaften malen kann.

Es gibt mehrere Motive, die durch 6 Schritte erklärt werden. Man braucht sehr wenig Farben und man kann immer mischen, wenn eine Farbe noch fehlt. Für die Autorin gibt es fast nur vier Farben, die man fertig kauft, wenn man Landschaften malen will, und grün ist keine davon 😉.

Das Buch ist für Anfänger gedacht, aber jeden kann dort auch Inspiration finden.

Viel Spaß beim Malen,
Caroline Weck
Bibliothekarin

Ein biografischer Roman für Musikliebhaber

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Cover aus Koha

Peters, Maria
Die Dirigentin
Hamburg: Hoffmann und Campe, 2020

Standort: SL
Signatur: Pete

Antonia Brico wächst in den 1920iger Jahren in Amerika in finanziell schwierigen Zeiten als Willy Wolters auf. Ihre Mutter ist sehr streng und wenig liebevoll, nur ihr Vater versucht ihr ein wenig  Wärme zukommen zu lassen. Früh bekommt sie ein vom Sperrmüll gerettetes Klavier geschenkt, das fortan ihr größter Schatz ist.

Ihr großer Traum ist es Dirigentin zu werden und sie lässt sich von äußeren Problemen nicht unterkriegen und kämpft hart für ihr Recht und ihre Karriere. Die Männerdomäne der Musiker bietet ihr im besten Fall musikalischen Unterricht, aber eher um sie zu sexuellen Handlungen zu überreden.

Als es zwischen ihrer Mutter und ihr zu einem heftigen Streit kommt, erfährt sie, dass sie nicht das leibliche Kind ist, sondern von ihrer biologischen Mutter angeblich zum Höchstgebot verkauft wurde. So macht sie sich auf in die Niederlande, um nach ihren Wurzeln zu suchen und um ihr Vorbild, den Dirigenten Mengelberg, um Unterricht zu bitten. Dieser schickt sie mit einem wenig schmeichelhaften Schreiben nach Hamburg zu Karl Muck. Nebenbei studiert sie an der staatlichen Musikakademie in Berlin.

Ihrer großen Liebe Frank, einem Mitglied der High Society, entsagt sie, um ihrem Lebensziel  zu folgen. Trotzdem unterstützt er sie ein Leben lang und ebnet ihr mit seinem Geld und seinen Beziehungen manchen Weg. 1930 debütiert sie bei den Berliner Philharmonikern. In Amerika gründet sie die New York Women’s Symphony, ein Orchester ausschließlich aus Frauen, mit dem sie vier Jahre äußerst erfolgreich war. Eine ihrer großen Fürsprecherinnen war die Frau von Präsident Roosevelt.

Bestechend an diesem Buch sind die Kapitel, in denen die verschiedenen Protagonisten ihre Sicht der Dinge schildern. Einmal  Antonia selbst, die von ihren Kämpfen und ihren Erfolgen berichtet, dann Frank, der sie und ihre Wünsche respektiert und sie für ihre Kompromisslosigkeit bewundert und schließlich auch ihr bester Freund Robin, der eigentlich Roberta heißt und eine Frau ist.

Man kann sich äußerst gut in die Widrigkeiten hineinversetzen, denen sich Antonia Brico entgegenstellen musste, um als Frau ihren Traum leben zu dürfen, denn damals hatten Frauen in der Gesellschaft noch nicht viel zu sagen. Der Roman wurde 2018 auch verfilmt.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Das kleine Hotel auf Island

Das kleine Hotel auf Island
Autorin: Julie Caplin
Seiten: 432
ISBN: 978-3499003134
Verlag: ROWOHLT Taschenbuch

Standort: Belletristik, Obergeschoss
Signatur: Capl

 

                                                                                                                                                     Cover aus Koha

Reisen sind in dieser Zeit kaum möglich, fegt doch das Coronavirus immer noch durch die Welt.
Glücklicherweise gibt es Bücher, mit denen wir fremde Länder entdecken können.
Ich habe auf meiner „Lesereise“ ein Stückchen Island entdeckt. Land, Leute und auch Kultur, verpackt in einer romantischen Liebesgeschichte.

In diesem Roman geht es um Lucy. Sie steckt gerade fest: arbeitslos, keine eigene Wohnung und von ihrem Exfreund hintergangen.
Da wird ihr eine befristete Stelle als Hotelmanagerin angeboten. Lucy greift sofort zu, um sich aus ihrer Misere zu befreien. Aber es gibt einige Hürden zu überwinden, denn in diesem Hotel geht es mitunter seltsam zu: Stromausfall ohne ersichtlichen Grund, ein Schaf im Whirlpool u.v.m. Außerdem wird ihr Vertrauen in die Menschen auf die Probe gestellt, als sie den gutaussehenden und warmherzigen Alex trifft, der in dem Hotel als Barmann arbeitet. Ist er wirklich nur für die Bar zuständig oder hat er noch einen anderen Auftrag?

Wie schon erwähnt, hat mich das Buch nach Island entführt und alles um mich herum vergessen lassen. Ich kann es Liebhaber*Innen romantischer Bücher wärmstens empfehlen. Gehen Sie selbst auf Reisen!

Petra Schulschenk
(Verwaltungsangestellte)

 

 

 

Zwei besondere Kinder-und Jugendsachbücher

Baseler, Marja; van den Brink. Annemarie   
Das Hotel zum Oberstübchen
Leipzig: Klett Kinderbuch, 2020

Standort: Kinderbücherei 2
Signatur: Med 182 B

 

Heute möchte ich Euch zwei sehr schön gestaltete Kinder-und Jugendsachbücher empfehlen. Im Buch „Das Hotel zum Oberstübchen“ geht es auf sehr unterhaltsame Weise auf eine Reise durch das menschliche Gehirn. Neben den ausgesprochen piffigen Illustrationen wird die Reise durch das Gehirn in die spannende Geschichte eines Familientreffens aus Anlass der goldenen Hochzeit der Großeltern verpackt. Ihr erfahrt viel darüber, dass es eine rechte und eine linke Gehirnhälfte gibt, oder dass die Gehirnhälften für verschiedene Talente und Fahigkeiten stehen. Die rechte Hälfte beispielsweise ist eher für die Phantasie und die Kreativität zuständig, während sich in der linken Hälfte alles abspielt, was mit Wissen und logischem Denken oder dem Abspreichern von Informationen zu tun hat. Am Ende des Buches gibt es Tests zum Thema: „Wo liegen Deine Talente?“, Wie klug bist Du emotional?“, oder „Wie arbeitet Dein Gehirn?.

Von diesem Autorenpaar stammt übrigens auch das beliebte Buch „Die Kackwurstfabrik“

Saturno, Carole  
Griechenland
Hildesheim: Gerstenberg, 2020

Standort: Kinderbücherei 2
Signatur : Gesch 159 S

Bei diesem sehr großformatigen Buch, das eigentlich für einen Ausleihbetrieb von Bibliotheken nicht so gut geeignet ist, weil es vorsichtiges Blättern erfordert, handelt es sich um ein wunderschön gestaltetes Buch über Griechenland. Es ist ein Buch mit Pop-Up Seiten, vielen Klappen und sehr verständlich geschriebenen Informationen. Es macht Spaß, es in der Hand zu halten, wenn man ein Freund von schön gemachten Büchern ist.
Wüsstet Ihr, wie die Stadt Athen der Legende nach zu ihrem Namen kam, oder dass bei der Kindererziehung die Mädchen benachteiligt waren und im Gynaikeion lebten? Ebenso kann man etwas über eine der ersten Demokratien lernen. Und wer dann noch nicht genug über Griechenland weiß, hat die Gelegenheit, das griechische Alphabet zu erlernen und seine Fertigkeiten im nächsten Griechenlandurlaub auszuprobieren.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Leseförderung für Liebhaber – oder ein Geschenktipp


Friedel Bott
Warum wir Bücher lieben
Aus den Bücherregalen prominenter Leser
Hamburg: Edel Books; 2019

Standort: Sachbuch
Signatur: LIT 29

Ein wunderbar kurzweiliges Buch möchte ich Ihnen heute, so kurz vor dem Fest, ans Herz legen. Prominente Leser, Schauspieler, Moderatoren, Sänger, Verleger: alle lassen sich von Friedel Bott interviewen und zeigen uns ihre privaten Refugien und Bücherstuben. Keiner von ihnen kann ohne Bücher leben und so erfahren wir viel über ihre Lieblingslektüren, angefangen mit Enid Blyton über Klassiker wie Goethe und seinen Faust, bis hin zu amerikanischer und französischer Literatur. Menschen wie Jürgen von der Lippe, Bettina Tietjen, Wolfgang Niedecken, Michael Krüger als langjähriger Geschäftsführer des Hanser Verlages, oder der inzwischen verstorbene Norbert Blüm kommen zu Wort.

Die Prominenten teilen ihre Leseerfahrungen mit uns und so bekommen wir als Leser noch einige interessante Anregungen, vielleicht mal zu Autoren zu greifen, mit denen wir uns schon immer mal auseinandersetzen wollten. Dieses Buch hat ein sehr angenehmes Layout und dadurch, dass verschiedene Persönlichkeiten vorgestellt werden, muss man es auch nicht an einem Stück lesen, sondern kann von vorne nach hinten und dann wieder andersherum blättern. Die einzelnen Interviews sind zwischen 10 und 20 Seiten lang. Und auch die Frage: ob Bücher überhaupt noch eine Zukunft haben, beantwortet Wolfram Koch mit: „Ja, absolut, definitiv machen Bücher glücklich. Sie machen wütend, sie machen unruhig, sie machen traurig, sie bringen einen zum Lachen.“

Besser hätte ich das auch nicht ausdrücken können!

Eigentlich ist es ein Buch, dass man nicht nur bei uns ausleihen, sondern das noch besser im eigenen Bücherregal stehen sollte, um es immer mal wieder zur Hand zu nehmen.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Ein Kinderbuch ohne Jahrgrenze

Liebe Schwester

von Alison McGhee
Illustrationen von Joe Bluhm
Standort: SLK 3
Signatur: MAC

„Liebe Schwester, sie haben mich gefragt, wieso ich dich immer nur „Schwester“ nenne. Weil ich einen tollen Namen für dich ausgesucht hatte. Deswegen.
Aber haben sie auf mich gehört?
NEIN.
Also es bleibt bei „Schwester“.“

Liebe Schwester ist ein besonderes Buch.

Der Erzähler ist ein zehnjähriger Junge, er hat seit paar Monaten eine neue Schwester und seine Eltern wollen, dass er regelmäßig Briefe an sie schreibt. Der Bruder erklärt, was in ihren Leben passiert. Für ihn ist seine Schwester am Anfang nur nervig, weil sie die ganze Zeit weint.

Mit den Jahren geht es ein bisschen besser, aber es bleibt für den Jungen trotzdem nicht so einfach. Es gibt auch ein riesiges Problem, die Schwester liebt ein Buch und will immer wieder, dass ihr Bruder das Buch vorliest. Nach dreihundert Millionen Mal Lesung hat der große Bruder echt genug davon. Er macht trotzdem seiner Schwester zuliebe weiter. Beide Geschwister wachsen und sind manchmal getrennt. Sie lernen langsam, wie  man ohne den Anderen leben kann , die Schwester bastelt zum Beispiel für ihren Bruder, als sie ein paar Tage in einen Feriencamp bleibt und kriegt am Ende Noten von ihrem Bruder.

Dieses Buch ist über die Beziehung zwischen Geschwistern, aber auch über das Erwachsenwerden. Man liest das Buch sehr schnell, der Bruder zeichnet seine Schwester regelmäßig. Wir treffen nie die Eltern, sie sind „die Wärter“, sie prüfen, was der Bruder schreibt oder malt. Regelmäßig kommt wieder der Satz: „die obenstehende Entschuldigung ist eine offizielle Stellungnahme, zu der uns die Wärter gezwungen haben“.

Egal wie alt man ist, dieses Buch kann euch gefallen. Er ist auf jeden Fall nicht nur für Kinder, es ist für alle Leute, die mit Geschwistern oder ohne groß geworden sind. Die Schriftstellerin Alison McGhee schreibt für jedes Alter und die Zeichnungen von Joe Bluhm sind wunderschön. Dieses Buch ist besonders und  man kann es in diesen grauen Zeiten echt genießen.

 

Liest mal,

Caroline Weck
Bibliothekarin

Die Geschichtensammlerin – eine kindliche Chronisten ihrer Zeit

Jessica Kasper Kramer
Die Geschichtensammlerin
München: Goldmann Wunderbaum,2020

Cover aus Koha

Standort:SL
Signatur: Kasp

Ein sehr beeindruckendes Buch über die Zustände in Rumänien kurz vor der Revolution 1989 erwartet uns hier.

Die Protagonistin Ileana ist 10 Jahre alt und sie liebt Geschichten. Als Tochter eines Literaturprofessors weiß sie, was Spannungsbögen und Textkomposition bedeuten. Ileanas Onkel Andrej ist ein Schriftsteller, der sich nicht mundot machen lässt. Er schreibt Texte über die wahren Zustände im Land und schmuggelt sie in den Westen. Eines Tages verschwindet er und es liegt nahe, dass er ein Opfer der Securitate geworden ist.

Ileana schreibt Geschichten am liebsten um, besonders die Enden. Sie ist sehr fantasiebegabt und ihre Lieblingsgeschichte ist das „Märchen von der listigen Ileana“. Immer wieder tauchen im Lauf des Romans Kapitel auf, in denen sie sich das Märchen erzählt und weiterspinnt, und sie ist auch nicht zimperlich, wenn es um grausame Momente in ihrer Geschichte geht.

Als die Familie entdeckt, dass die Wohnung verwanzt ist, vernichtet der Vater Ileanas gesammelte Werke, denn sie sind gefährlich, und man schickt das Mädchen Hals über Kopf zu den ihr unbekannten Großeltern aufs Land. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwiergkeiten schließt Ileana die Bewohner des Bergdorfes ins Herz und findet eine beste Freundin. Per Zufall entdeckt sie beim Spielen in einer verfallene Ruine ihren Onkel Andrej, der halbtot ist, und dem man die Folterspuren durch die Securitate deutlich ansieht. Eine alte Dorfbewohnerin versorgt ihn heimlich. Als die Securitate im Dorf auftaucht, hinterlässt Andrej ein Schriftstück in der Hütte der Großeltern, das an Sprengkraft nicht zu überbieten ist. Auch Ileana gerät ins Visier der Securitate. Das Dorf wird systematisch von den Soldaten zerstört und die Bewohner in andere Gegenden des Landes umgesiedelt. so hofft man, den Rebellen in den Bergen die Unterstützung zu entziehen. Die Securitate bedroht nicht nur Ileana, sondern auch alle, die sie liebt, und so muss Ileana sich die beste Geschichte ihres Lebens ausdenken, um so zu sein, wie die „listige Ileana“ in dem Märchen.

Im Laufe des Romans erfährt man sehr viel über die Zustände im Rumänien der 80iger Jahre. Dass mir die Geschichte dieses europäischen Staates so unbekannt war, hat mich fasziniert. Waren wir vielleicht damals so von der Wiedervereinigung abgelenkt, dass man den Zerfall des Warschauer Paktes zwar registriert hat, sich aber nicht mit den einzelnen Ländern beschäftigt hat? Inzwischen gehört Rumänien zur EU, ein Bruder lebt dort, und so habe ich einige Abende im Netz verbrachtund recherchiert. Alle diese Ereignisse werden im Roman, wenn auch aus Kindersicht, thematisiert.

Trotz der oftmals bedrückenden Ereignisse, die geschildert werden, liest sich dieser Roman sehr unterhaltsam und leicht und ich habe eine Nachschicht eingelegt, weil ich endlich das Ende wissen wollte. .

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)

Wilkommen in Paris…

Cover aus Koha

Mas, Victoria
Die Tanzenden
Originaltitel: Le Bal des Folles
Piper (2020)

Standort: SL
Signatur: Mas

Wir sind im Jahr 1885 in Paris, alle Leute wollen die Verrückten aus der Salpêtrière, der psychiatrischen Anstalt, sehen. Charlot, der berühmte Arzt,, macht regelmäßig vor einem internationalen Auditorium von Ärzten, Journalisten und Schriftstellern klinische Demonstration. Wenn ein Fall interessant ist, präsentiert der berühmte Arzt eine Patientin, die dort Drogen oder Medikamente nimmt, um eine Krise zu provozieren. Die Frauen sind nur Vorzeigeobjekte in einer Männerwelt.

Wir folgen mehreren Patienten. Sie sind jung oder alt, und unterscheiden sich sehr voneinander. Zum Beispiel hat Louise ihre Eltern sehr früh verloren und wurde bei ihrer Tante interniert. Die Männer spielen eine Nebenrolle, sie sind fast immer die, die die Frauen bringen. Die Frauen sind in der Anstalt, verlassen und dort vergessen. Fast niemand kommt danach zu Besuch, der Kontakt mit der Realität ist komplett gebrochen.  Die einzige Freude, dass sie noch leben, ist die Ballvorbereitung. Einen Abend können sie wieder frei sein und mit anderen Menschen tanzen. Die Verrückten sind eine Kuriosität für die Besucher.

Die Geschichte hat mich berührt, die Époque war für die Frauen sehr schwer, sie mussten immer beachten, dass sie die Regeln folgen. Durch die Seiten lernen wir immer mehr über die Vergangenheit von den Frauen, die dort leben.

Sie entwickeln eine starke Solidarität. Das Ende ist auch schön gemacht und lässt Hoffnung zu für die Frauen, die dort noch geblieben sind.

„Jetzt ist man überrascht von diesem Auftritt, der Theaterschauspielerin würdig wäre. Da sind Milchmädchen und Marquisen und weibliche Pierrots, Musketiere und Kolombinen, Reiterinnen und Zauberinnen, Troubadoure und Matrosen, Bäuerinnen und Königinnen. Die Mädchen kommen aus allen möglichen Sektionen, sie sind Hysterikerinnen, Epileptikerinnen und Hypernervöse, jung und weniger jung, aber allesamt charismatisch, als würden sie sich durch etwas anderes als die Krankheit und die Mauern der Anstalt vom Rest der Menschen unterscheiden -eine bestimmte Arte zu existieren und sich in der Welt zu bewegen.“

Caroline Weck
Bibliothekarin