Kategorie-Archiv: Buchempfehlungen

In dieser Kategorie finden sich Buchempfehlungen für Erwachsenen

Neuer Roman von Alex Capus: Das Leben ist gut

Capus Das Leben ist gut Final_MR3.inddcapus_hf_iJa, das Leben meint es gut mit Max, dem Alter Ego des Autors. Wem schon der Titel zu selbstzufrieden scheint, der sollte zu anderen sozialkritischeren Romanen von Mankell o.a. greifen.
Capus sinniert locker über das Leben, wobei ihm die Rolle des finanziell unabhängigen Schriftstellers und Barbesitzers sehr entgegen kommt. Vom Klappentext sollte man sich nicht täuschen lassen: Um die berufsbedingte vorübergehende Trennung von seiner Frau geht es nur am Rande, eher geht es ihm um seine – Schweizer – Heimatstadt, traditionsverwurzelte Ansichten und witzige Porträts von Freunden/Barbesuchern.
Im Gegensatz zu „Lèon und Louise“ eher ein Männerroman – wenn ich diesen Begriff auch sonst gar nicht mag – aber ein genussvoll zu lesender!

„Lesetipps“ für Kinder-und Jugendliche aus dem Literaturhaus S-H in Kiel

Im Literaturhaus S-H in Kiel gibt es eine lesebegeisterte Kinder-und Jugendgruppe, die sogenannten „Leseratten“. Diese Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren haben Buchkritiken zu aktuellen Titeln der Kinder-und Jugendliteratur verfasst. Auf dem Leseratten-Blog Leseratten Kiel erscheinen weitere Buchtipps online. Hier für Euch mal ein Beispiel aus dem Blog:

Ellen van Velzen: Der Turm der Drachenlenker

Leseratten-BlogDie Geschichte spielt in einem kleinen Dorf, das auf Stelzen  steht. Über dem Dorf schweben angebundene, große Lenkdrachen, die das Dorf beschützen sollen – vor Ungeheuern. Erbaut werden die Drachen von Drachenlenkern. Die Hauptperson Jani wird auch ein Drachenlenker. Doch er merkt schon bald, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die anderen Drachenlenker erzählen ihm nicht alles. Wieso findet er zum Beispiel eine schwarze Kralle auf dem verbotenen Dachboden? Die schwarze Kralle wird eine wichtige Rolle spielen, denn sie gehört einem Ungeheuer! Interessant ist auch die Freundin von Jani, die anfangs seine Liebe zu den Drachen nicht nachvollziehen kann.

Am Ende gibt es eine große Wende, mit der ich nicht gerechnet habe. Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, da es viele tolle Charaktere gibt und die Handlung spannend ist. Es ist eine schöne, fantasievolle und außergewöhnliche Geschichte. Außergewöhnlich, da die Geschichte in einer anderen Welt spielt. Hier gibt es andere Traditionen, Kulturen und Sagen, als ich sie kenne. Nicht so gut hat mir das Ende gefallen, da es sehr knapp beschrieben wurde.

Das Buch empfehle ich allen, die gerne spannende Fantasy-Geschichten lesen und die auch etwas kompliziertere Handlungen mögen.

ISBN 978-3-8369-5854-7, EUR 14,95, Gerstenberg Verlag, ab 11 Jahren, 256 Seiten, aus dem Niederländischen von Maike Blatnik

Gesa Bachmann, 11 Jahre

Übrigens: dieses Buch kann man  auch  bei uns in der Stadtbücherei Eckernförde ausleihen, und ich stimme Gesa in ihrer Besprechung zu und finde, das hat sie ganz toll gemacht. Bei uns steht das Buch bei den Büchern ab 11 Jahren.

Zeitfresser – eine Leseempfehlung

Cover von Zeitfresser von Craig LambertEin Buchtipp mit dem Titel „Zeitfresser“? Ignoriert dieser Bibliothekar etwa komplett, wieviel Zeit das Lesen eines Buches frisst?

Nun, ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen mit diesem Buchtipp, denn es handelt sich dabei um ein ungemein aufklärendes Buch! Craig Lambert, ein amerikanischer Doktor der Soziologie, öffnet uns Lesern die Augen, wie Schattenarbeit – das erstaunlich beliebte „Do it yourself“ – unsere Freizeit einschränkt, wir immer mehr unbezahlte Mehrarbeit leisten, und welche gravierenden Folgen das für die Entwicklung unserer Gesellschaften hat.

Jeder von uns kennt unliebsame Begegnungen mit dem Fahrkartenautomaten (nicht nur der DB), mit endlosen Warteschleifen beim Telefonservice („wählen Sie bitte die 1, wenn Sie diese oder jene Frage haben“), den Vormarsch von Selbstbedienungskassen, das alltägliche Online-Banking oder das seltenere automatisierte Einchecken am Flughafen. Aber ist es tatsächlich normal, dass wir uns immer mehr Arbeitsgänge von Industrie und Handel aufdrängen lassen und einen guten Service – von Fachkräften – immer weniger wertschätzen?

[Ein Exkurs und unmittelbares Beispiel aus meiner Praxis: Jeder Bibliotheksbenutzer kann die Medien seiner Bibliothek über das Internet oder vor Ort auf vorhandene Titel überprüfen. Dabei bekommt er in der Regel als Ergebnis: a) das Medium ist vorhanden (mit Signatur-Chiffre usw.), oder b) das Medium ist nicht vorhanden – eine digitale Auskunft. Was ihm dabei leicht entgeht, sind weiterführende Informationen wie: Alternativen zu diesem Titel, Gründe für eine Fehlanzeige (falsche Schreibweise? Titel ist noch garnicht erschienen? Schlechte Kritik?)…. Das Kommunizieren mit einem Gesprächspartner vom Fach birgt – nicht in jedem Fall – viele Chancen.]

Verblüfft und überzeugt haben mich – neben manchen Exkursen in amerikanische Gegebenheiten, die man überspringen mag – des Autors Schlussfolgerungen zur zunehmenden Isolation und Vereinsamung der Menschheit heute. Im richtigen Zusammenhang gelesen, ergeben seine Ausführungen tatsächlich auch eine Erklärungsmöglichkeit für so manchen Amoklauf, für die Mobbingwelle unter Schülern und weitere krasse Fehlentwicklungen unserer heutigen Zeit.

Übrigens: Die Stadtbücherei Eckernförde legt Wert auf einen guten Service – Selbstverbuchung ist für uns tabu.

 

Neue Entdeckung bei den Jugendromanen

Du neben mir

Du neben mir

Yoon, Nicola
Du Neben Mir
und zwischen uns die ganze Welt
Ravensburg: Ravensburger, 2016

Standort: SLJ-JUGENDROMANE
Signatur: Yoon

 

Ich habe noch nie so einen tollen Roman gelesen. Schon vom  ersten Kapitel an wird man  in Madeline F. Whittier hineinversetzt. Madeline hat einen seltenen Immundefekt und hat deshalb ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Für sie ist jeder Tag gleich. Doch dann zieht nebenan ein Junge ein und stellt ihr Leben total auf den Kopf. Wenn sie bei ihm ist, vergisst sie alles um sich herum. Um einen Tag im Freien mit Olly zu verbringen, würde Madeline alles riskieren. Alles! Ich würde das Buch denen empfehlen, die ein Fan von “ Das Schicksal ist ein mieser Verräter “ sind. Es ist eine schöne, aber zugleich auch eine Geschichte zum Nachdenken.

Luise Wienrich, 14 Jahre

„Montecristo“

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Martin Suter
320 Seiten
Diogenes-Verlag
ISBN 978-3-257-06920-4
Roman/Thriller, Obergeschoß
Signatur: Sute

Eigentlich gehören Thriller nicht zu meinen Favoriten. Aber durch einen Zufall bin ich auf das Buch „Montecristo“ von Martin Suter gestoßen und war schon nach den ersten Seiten fasziniert.
Die Hauptfigur Jonas Brand, Ende 30, freier Videojournalist, arbeitet für ein Magazin und wartet
auf seine große Chance als Filmproduzent. Durch einen Zufall gerät er während einer Zugfahrt in einen Unglücksfall. Brand filmt die Situation. Bei der Auswertung des Filmmaterials fragt er sich, ob es sich um Selbstmord oder Mord handelt. Unmittelbar danach macht Brand eine weitere seltsame Entdeckung. Er hält zwei identische Hundertfrankenscheine in der Hand. Was bedeutet das? Außerdem wird Brands Wohnung aufgebrochen, und er wird auf offener Straße überfallen. Brand beginnt zu recherchieren. Dabei stößt er auf Ungereimtheiten und mysteriöse Zusammenhänge im Bankwesen. Immer wieder gerät er in seltsame und auch gefährliche Situationen. Wem kann er noch trauen? Nur mit seiner Freundin Marina teilt er sein Wissen.

Die Handlung ist raffiniert und spannend aufgebaut, das Ende überraschend. Suter versteht es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite zu halten. Es fiel mir schwer, „Montcristo“ zwischendurch aus der Hand zu legen. Liebhaber spannender Lektüre werden das Buch verschlingen!

Petra Schulschenk

1001 Erfindungen, die unsere Welt veränderten

Schmökern Sie gerne? Haben Sie ein Faible für die Geschichten hinter so manchen Dingen? Sind Sie womöglich auch noch an Technik interessiert? Dann führt an diesem Buch kein Weg vorbei!

Auf fast 1000 Seiten werden dem staunenden Lesepublikum ebensoviele Erfindungen, journalistisch sehr anregend formuliert und chronologisch sortiert, näher gebracht. Beispiel gefällig?

„Taschenuhr (um 1508): Henlein konstruiert den ersten Zeitmesser zum Mitnehmen“. Es folgen Hinweise auf die Erfindung der Unruh, Probleme mit Ungenauigkeiten der ersten Modelle, den Begriff der „Nürnberger Eier“, und ein schönes Foto.

Oder: „Ampel (1914): Morgan verordnet verkehrsreichen Straßen ein Steuerungssystem“ – eine wahrlich wegweisende Erfindung, bis heute. Geschmückt mit einem schönen Zitat von Albert Schweitzer: „Der Optimist ist ein Mensch, der überall grünes Licht sieht, während der Pessimist das rote Stopplicht erblickt.“

Bleiben nur noch 999 weitere spannende Artikel. Einziges Manko ist die einseitige Berücksichtigung westlicher Neuerer – der Osten fehlt! Und doch gilt: Selten habe ich mich beim Verfassen eines Buchtipps so hoffnungslos festgelesen…

Herzkönigin von A. G. Howard

Cover von Howard: Herzkönigin

HOW SLJ – FANTASY (Jugendbuch)

“ Ich könnte ganz viel über das Buch erzählen. Gute Typografie. Leicht zu lesen. Verfolgt mich in meinen Träumen. Schon eher für Mädchen, die schmachten wollen. Aber mit viel Herz geschrieben. Tolle Welten sind da aufgebaut. Den Nachfolger würde ich auch lesen … . Im Vergleich dazu ist die Liebe bei Reckless von Cornelia Funke erwachsener, reifer“.
– Sina thor Straten – (Leserin der Stadtbücherei)

„Herzkönigin“ aus der Reihe „Dark Wonderland“ von A. G. Howard. Demnächst erscheint der zweite Teil „Herzbube“.
Klappentext:
Alyssa kann Blumen und Insekten flüstern hören, eine Gabe, die schon ihre Mutter um den Verstand brachte. Denn sie sind die Nachfahrinnen von Alice Liddell – besser bekannt als Alice im Wunderland. Als sich der Zustand ihrer Mutter verschlechtert, kann Alyssa ihr Erbe nicht mehr leugnen, sie muss jenen Fluch brechen, den Alice damals verschuldet hat. Durch einen Riss im Spiegel gelangt sie in das Reich, das so viel finsterer ist, als sie es aus den Büchern kennt, und zieht dabei ihren besten Freund und geheime Liebe Jeb mit sich…

Der Sommer der Eulenfalter

Standort: SLK3 Kinderbücherei Signatur: PEN

Pennypacker, Sara                                                             
Der Sommer der Eulenfalter
Hamburg: Carlsen, 2015

Stella und  Angel, mit der Stella wie Hund und Katze ist,  leben als Pflegekinder bei Großtante Louise, weil Stellas Mutter im Moment nicht in der Lage ist, sich um ihre Tochter zu kümmern. Stella findet dort zum ersten Mal so etwas wie ein Zuhause.

Eines Tages kommt sie aus der Schule nach Hause und findet die Tante  Louise tot im Sessel. Die Mädchen versuchen alles, um den Tod der Tante zu vertuschen, denn sie möchten nicht wieder in Kinderheime abgeschoben werden. Es geht soweit, dass sie die Tante beerdigen. Dabei haben sie die Hilfe eines Freundes von Tante Louise, der davon aber nichts weiß, weil sie ihm erzählen, dass Louise krank ist, und sie sich um alles kümmern. So kommt es auch, dass sie die Ferienhäuser auf dem Grundstück betreuen, sie putzen und kümmern sich um die Gäste. Das Trinkgeld verwenden sie teilweise dafür, um sich etwas zu essen zu organisieren. Oder sie versuchen von den Resten zu leben, die die Feriengäste in den Hütten zurückgelassen haben. Stella kümmert sich um die Blaubeerbüsche ihrer Tante, weil ihre Mutter diese früher mit angepflanzt hat. Allerdings braucht sie eine Weile, um herauszufinden, was die Büsche brauchen. Der alte George steht ihr dabei mit Rat zur Seite und erklärt ihr, welche Rolle die Eulenfalter spielen. Daher kommt auch der Titel des Buches. Irgendwann geht den Mädchen aber die Kraft aus und sie geben auf.  Es setzt sich eine ganze Maschinerie in Bewegung: Polizei, Pädagogen, Jugendamt, Kinderheim. Das Buch hat ein Happy End. Was mir allerdings etwas übertrieben vorkam, war, dass Stella mit ihren 12 Jahren eine Alleskönnerin ist, die gelernt hat, sowohl einen Haushalt zu managen, als auch einen ganzen Garten in Schuss zu halten, weil sie immer für ihre Mutter mitdenken und mitorganisieren musste. Die Zeit Kind zu sein, kam-wie manchmal auch im richtigen Leben- bis zum Ende des Buches etwas zu kurz.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen!

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt

 

Religion mal anders

Mohagheghi, Hamideh/ Steinwede, Dietrich
Was der Koran uns sagt: für Kinder in einfacher Sprache
München:Patmos, 2010

Standort: Kinderbücherei
Signatur: Rel 131 M

Der Koran hat mich schon längere Zeit interessiert. Umso willkommener ist dieses neue Kinderbuch. Gerade in Zeiten, wo  viele von Euch sich an neue Klassenkameraden gewöhnen müssen, die vielleicht eine andere Religion haben als Ihr selbst, kann es spannend  sein zu verstehen, worum es bei deren Religion geht. Auch für Eure Religionslehrer kann dieses Buch eine Hilfe für den Unterricht sein.

In einfacher, kindgerechter Sprache wird der Koran erzählt, natürlich nicht immer satzgetreu, sondern so, dass Kinder ihn verstehen können. Die wörtliche Übersetzung von Koran ist „Das -immer-wieder-zu Lesende“.

Und wer in dieses Buch schaut, wird feststellen, dass Islam und Christentum gar nicht so verschieden sind. So kommen viele Geschichten, die wir Christen aus dem Alten Testament kennen, auch im Koran vor. Die Schöpfungsgeschichte ist fast identisch, ebenso die Geschichten von Nuh (Noah). Ibrahim (Abraham) Yusuf (Josef) und Musa (Moses), etc. Unterschiedlich ist allerdings die Geschichte von Maria und Jesus. Da geht der Koran nicht davon aus, dass Jesus Gottes Sohn sein kann, sondern da Gott einer und der Höchste ist, kann er keine Kinder haben. Im Koran wird Jesus eher als Prophet gesehen. Und auch die Geburtsgeschichte ist eine andere.

Vielleicht kommt Ihr ja mal ins Gespräch mit Euren Klassenkameraden und möchtet Etwas genauer wissen. Dann ist dieses Buch eine gute Grundlage!

Elf Tage in Berlin

Hakan Nesser: Elf Tage in Berlin
Btb, 2015, 381 S., 17,99 €

Ungewöhnlich: Geben sonst wir Bibliothekare Lesetipps an unsere Leser, so bekam dieses Mal ich einen besonderen Tipp von einer Leserin. Sie hatte nämlich festgestellt, dass in dem neuen Roman des schwedischen Autors – diesmal kein Kriminalroman – die Eckernförder Stadtbücherei erwähnt sei!Elf Tage in Berlin von Hakan Nesser
Das hat meine Neugierde natürlich geweckt, und da es sich nicht um den soundsovielten neuen Regionalkrimi mit „authentischen Schauplätzen“ handelte, las ich auch sofort los.
Es geht um Arne Murberg, einen jungen Schweden mit dem Handicap eines schlichten Gemüts, das er einem Badeunfall in seiner Jugend verdankt. Er erfährt am Todesbett seines Vaters, dass seine Mutter entgegen früherer Behauptungen nicht tot sei, sondern in Berlin lebe. Arne bekommt den Auftrag sie zu finden und ihr ein mysteriöses Kästchen zu übergeben. Arne wächst in der Folge über sich hinaus, erfährt überraschende Unterstützung durch einen verrückten Professor und eine liebenswerte Rollstuhlfahrerin und erlebt extrem aufregende elf Tage in Berlin.
Das Schöne an dem Buch ist die liebevolle Sorgfalt, mit der Nesser die Personen des Romans zeichnet. Kein bisschen peinlich gerät ihm die Hauptfigur: Arne gewinnt das Herz seiner Leser im Sturm, man hofft (oft) und leidet (selten) mit ihm.
Dass die Geschichte sich zum Ende hin immer fantastischer entwickelt, mit Anklängen an Jonas Jonasson und sogar Cornelia Funke, sei noch verraten – mich hat’s überhaupt nicht gestört.
Es ist dies eines meiner Lieblingsbücher 2015.

von Hans-Jürgen Simon