Elf Tage in Berlin

Hakan Nesser: Elf Tage in Berlin
Btb, 2015, 381 S., 17,99 €

Ungewöhnlich: Geben sonst wir Bibliothekare Lesetipps an unsere Leser, so bekam dieses Mal ich einen besonderen Tipp von einer Leserin. Sie hatte nämlich festgestellt, dass in dem neuen Roman des schwedischen Autors – diesmal kein Kriminalroman – die Eckernförder Stadtbücherei erwähnt sei!Elf Tage in Berlin von Hakan Nesser
Das hat meine Neugierde natürlich geweckt, und da es sich nicht um den soundsovielten neuen Regionalkrimi mit „authentischen Schauplätzen“ handelte, las ich auch sofort los.
Es geht um Arne Murberg, einen jungen Schweden mit dem Handicap eines schlichten Gemüts, das er einem Badeunfall in seiner Jugend verdankt. Er erfährt am Todesbett seines Vaters, dass seine Mutter entgegen früherer Behauptungen nicht tot sei, sondern in Berlin lebe. Arne bekommt den Auftrag sie zu finden und ihr ein mysteriöses Kästchen zu übergeben. Arne wächst in der Folge über sich hinaus, erfährt überraschende Unterstützung durch einen verrückten Professor und eine liebenswerte Rollstuhlfahrerin und erlebt extrem aufregende elf Tage in Berlin.
Das Schöne an dem Buch ist die liebevolle Sorgfalt, mit der Nesser die Personen des Romans zeichnet. Kein bisschen peinlich gerät ihm die Hauptfigur: Arne gewinnt das Herz seiner Leser im Sturm, man hofft (oft) und leidet (selten) mit ihm.
Dass die Geschichte sich zum Ende hin immer fantastischer entwickelt, mit Anklängen an Jonas Jonasson und sogar Cornelia Funke, sei noch verraten – mich hat’s überhaupt nicht gestört.
Es ist dies eines meiner Lieblingsbücher 2015.

von Hans-Jürgen Simon