Zeitfresser – eine Leseempfehlung

Cover von Zeitfresser von Craig LambertEin Buchtipp mit dem Titel „Zeitfresser“? Ignoriert dieser Bibliothekar etwa komplett, wieviel Zeit das Lesen eines Buches frisst?

Nun, ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen mit diesem Buchtipp, denn es handelt sich dabei um ein ungemein aufklärendes Buch! Craig Lambert, ein amerikanischer Doktor der Soziologie, öffnet uns Lesern die Augen, wie Schattenarbeit – das erstaunlich beliebte „Do it yourself“ – unsere Freizeit einschränkt, wir immer mehr unbezahlte Mehrarbeit leisten, und welche gravierenden Folgen das für die Entwicklung unserer Gesellschaften hat.

Jeder von uns kennt unliebsame Begegnungen mit dem Fahrkartenautomaten (nicht nur der DB), mit endlosen Warteschleifen beim Telefonservice („wählen Sie bitte die 1, wenn Sie diese oder jene Frage haben“), den Vormarsch von Selbstbedienungskassen, das alltägliche Online-Banking oder das seltenere automatisierte Einchecken am Flughafen. Aber ist es tatsächlich normal, dass wir uns immer mehr Arbeitsgänge von Industrie und Handel aufdrängen lassen und einen guten Service – von Fachkräften – immer weniger wertschätzen?

[Ein Exkurs und unmittelbares Beispiel aus meiner Praxis: Jeder Bibliotheksbenutzer kann die Medien seiner Bibliothek über das Internet oder vor Ort auf vorhandene Titel überprüfen. Dabei bekommt er in der Regel als Ergebnis: a) das Medium ist vorhanden (mit Signatur-Chiffre usw.), oder b) das Medium ist nicht vorhanden – eine digitale Auskunft. Was ihm dabei leicht entgeht, sind weiterführende Informationen wie: Alternativen zu diesem Titel, Gründe für eine Fehlanzeige (falsche Schreibweise? Titel ist noch garnicht erschienen? Schlechte Kritik?)…. Das Kommunizieren mit einem Gesprächspartner vom Fach birgt – nicht in jedem Fall – viele Chancen.]

Verblüfft und überzeugt haben mich – neben manchen Exkursen in amerikanische Gegebenheiten, die man überspringen mag – des Autors Schlussfolgerungen zur zunehmenden Isolation und Vereinsamung der Menschheit heute. Im richtigen Zusammenhang gelesen, ergeben seine Ausführungen tatsächlich auch eine Erklärungsmöglichkeit für so manchen Amoklauf, für die Mobbingwelle unter Schülern und weitere krasse Fehlentwicklungen unserer heutigen Zeit.

Übrigens: Die Stadtbücherei Eckernförde legt Wert auf einen guten Service – Selbstverbuchung ist für uns tabu.