Zwei auf einen Streich

Eine Liebesgeschichte?

Cover aus Koha

Schmidt, Felix
Amelie
Hamburg: Osburg Verlag, 2020

Standort: SL
Signatur: Schmi

Heute empfehle ich zwei kleine Romane, die mich berührt haben, auch wenn ich nicht sagen kann, ob sie mir schlussendlich gefallen. Das überlasse ich Ihrem Urteil!

Auf der Suche nach kleinen Romanen fiel mir dieser mit 150 Seiten  in die Hände. Das etwas melancholisch anmutende Cover machte mich neugierig.

Max, Musikjournalist und in seinen 80 igern, hat mit Amelie gerade Silberhochzeit gefeiert. Amelie ist 25 Jahre jünger. Beide haben erwachsene Kinder. Paul bemerkt schon länger Anzeichen, dass Amelie sich verändert. Plötzlich sieht sie jugendlicher aus und kleidet sich auch so. Er findet heraus, dass sie schon länger ein leidenschaftliches Verhältnis mit dem gemeinsamen besten Freund, dem berühmten Dirigenten Paul hat. Max fällt aus allen Wolken, dachte er doch, diese Liebe sei für die Ewigkeit gemacht. Er vermag Amelie nicht an ihrer Liaison zu hindern und leidet wie ein Hund. Zusätzlich quält er sich, indem er den Mailwechsel zwischen Paul und Amelie, immerhin einen Ordner von 500 Seiten, liest. Es dauert lange, bis er sich entschließt, sich von Amelie scheiden zu lassen. Denn er liebt sie wie am ersten Tag und schwebt ständig zwischen der Hoffnung, sie käme zu ihm zurück und dem Kampf mit seiner Selbstachtung. Hatte ich am Anfang noch Verständnis für Amelie, so wurde sie mir von Seite zu Seite unsympathischer in ihrer egoistischen Grundeinstellung von beiden Männern das Beste zu wollen. Ob Max jetzt ein tragischer Held oder ein leicht morbider Trottel ist, vermag ich noch nicht abschließend zu beurteilen.

Nichtsdestotrotz ist das Buch gut geschrieben und fesselte mich bis zur letzten Seite.

 

Philiosophie für Liebhaber

Cover aus Koha

Friedmann, Alexandra
Eine Geschichte von Sturm und Stille
Stuttgart: Urachhaus, 2020

Standort: SL
Signatur: Frie

Dieses kleine, 128 seitige Buch, berührt durch die Stille und die ruhige Handlung, die eigentlich keine ist. Es ist etwas für Lesende, die sich gerne Gedanken machen und die bereit sind, sich auf philosophische Fragen über das Leben einzulassen. Es ist ein Roman, den ich nicht in einem Zug lesen konnte, weil ich auf die Handlung wartete und so viel zum Nachdenken hatte.

Mano ist ein junger Flüchtling, der wie so viele, in einem altersschwachen Boot auf dem Meer unterwegs in eine hoffentlich bessere Zukunft ist. Als während eines schweren Sturms Wasser ins Boot dringt, fällt der Nichtschwimmer Mano über Bord und hat schon fast mit seinem Leben abgeschlossen. Im Meer trifft er auf einen sprechenden Fisch, mit dem er sich über seine Vergangenheit und seine Suche nach dem eigenen „Ich“ unterhält. Dabei wird Mano vieles klar. Zum Beispiel, dass man im Leben offene Augen und Ohren braucht, um sein Glück wahrzunehmen und sich seinen Ängsten zu stellen und sie zu überwinden.

Diese allgemeinen Fragen des Lebens, über die Mano mit dem Fisch diskutiert, was ist wichtig und was nicht, sind Fragen, die sich jeder von uns vielleicht schon mal gestellt hat. Es ist interssant, einmal inne zu halten und sich mit diesen Fragen zu auseinander zu setzen.

Ich bin gespannt, ob diese Lektüren Ihren Beifall finden.

Marie-Therese Fritzen-Einfeldt
(Diplom-Bibliothekarin)